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Im deutschen Reich · 1915-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1915) · p. 122

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1915)
Article
Juden als Träger deutscher Kultur im neunzehnten Jahrhundert
Date
1915-05-01
Page
122 (sequence 13)
Language
German
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122 Fm deutschen Neich. der deutschen Geschichte", sagt Ziegler, „nur mit einem zu vergleichen, mit dem größten Agitator des sechzehnten Jahrhunderts, Ulrich von Hutten, wenn man nicht neben diesem seinen Zeitgenossen Luther und neben Lassalle Bismarck .als die noch größeren Agitatoren ihrer Epoche bezeichnen will." Ja, er hat die arbeitenden Klassen in Deutschland aus ihrem dumpfen Schlafzustand aufgeweckt, und Anteil fordern und nehmen gelehrt am politischen Leben ihres Volkes, ihnen das Verlangen eingeflößt nach dem ihnen zukommenden Teil an den Gütern unserer Kultur. Was er so geschaffen hat, blieb bestehen und wuchs aus kleinen Anfängen heraus zu gewaltiger Macht, so wie er es herbeigesehnt hat: Dieses Werk Lass-alles heißt — die deutsche Sozialdemokratie! In seinen am 14. 'November 1914 in Frankfurt gehaltenen Betrachtungen über „Politische Ideale der deutschen Zukunft" hob Prof. Hermann Oncken als eine der wichtigsten Einzelerscheinungen der inneren Neuwandlungen das Hinübertreten der Sozialdemokratie auf den Boden der Nation hervor, das der Heldentod Ludwig Franks als herrliches Symbol beleuchte. „Das' Bekenntnis dieses Mannes, daß der Geist wirklich der Knecht des Körpers sei, verkündet dem Historiker, so sagt er weiter, daß die deutsche Sozialdemokratie, deren mannigfache Organisationen jetzt geradezu unentbehrliche Elemente unserer nationalen Wehr darstellen, dem historischen Materialismus entsagen und sich an seiner Statt mit dem Geiste Lassalles durchdrungen wird, der von der Philosophie des deutschen Idealismus herkam und den Gedanken des deutschen Nationalstaates bejahte." Neben einen L-asalle die wuchtigste Persönlichkeit des großen Organisators, des Sozialdemokraten Marx, zu stellen, würe im Rahmen unseres Themas unmöglich, trotz der Aeußerung Zieglers: „Er wurde Kosmopolit, ohne doch je aufzuhören, als Deutscher zu fühlen." Nein, weit richtiger ist, was G. Groß in seiner Studie „Karl Marx" schreibt: „Ihm mangelte jedes Nationalitätsbewußtsein. Und er ist uns. Lassalle gegenübergestellt, der typische Beweis dafür, wie falsch es ist, allgemein zu behaupten, daß die ,,Juden nur ein wirksames Ferment des Kosmopolitismus und der nationalen Dekomposition darstellen." Welcher Gegensatz schon auf ein und demselben Gebiet zwischen zwei Männern des jüdischen Stammes, die dasselbe wollten, hinsichtlich ihrer nationalen Stellung. Gerade das nationale Pathos war es, das Lassalle so intime Beziehungen zu Bismarck -anknüpfen ließ, daß er ihn so weit inspirieren konnte, daß dieser 1866 den kecken Wurf tat, um den ihn heute noch viele laut und leise schelten: das allgemeine direkte und geheime Wahlrecht in die Verfassung des norddeutschen Bundes und später in die des deutschen Reichs aufzunehmen, ein Akt, der der Demo-

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