Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Juden als Träger deutscher Kultur im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 121 (sequence 12)
- Language
- German
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Fuden als Träger deutscher Kultur im 19. Jahrhundert. k21 Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie und den Feudalismus ist. Neben dieser bürgerlichen, zeigten sich aber auch schon die ersten Zeichen einer bis dahin in Deutschland unbekannten sozialistisch-kommunistischen Bewegung, die in Frankreich bereits ihre praktischen Vertreter gefunden hatte. Ueber die interessanten Anfänge dieser Bewegung, die in Deutschland bereits vor Ausbruch der Revolution einsetzte, gibt uns der Roman „Wandlungen" von Fanny Lewald eine gute Vorstellung. Diese Schriftstellerin hat es überhaupt in vorzüglicher Weise verstanden, Begebenheiten. unb Persönlichkeiten ihrer Umgebung und ihrer Zeit derart nahezurücken, daß man sie völlig lebendig zu sehen glaubt. Eine klarere Vorstellimg von Heines wirklichem Wesen, von Franz Liszts vo an de! barer und doch in sich geschlossener Persönlichkeit, von der in ihrer Zeit so hochgefeierten Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient lirtb vielen müderen hervorragenden Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts kann man wohl nirgendwo in so plastischer Darstellung lesen, wie in ihrenn Bunge „Zwölf Bilder nach dem Leben". Biel voll ihren Lebenserfahrungen ging in den Roman „Prinz Louis Ferdinand" A84D über, einer: „Beichtroman", wie ihn R. M. Meyer nennt. „Immer wächst sie in ihrer Gestaltungskraft sprachlich, vorr Anfang an, durch klare Bestimmtheil vor den geistreichen Verflossenheiren ihrer männlichen Nebenbuhler hervorragend. Kalt und nüchtern bleibt sie dabei immer-, aber die Kraft, mit der sie ihre Herzenssache vertrat, die Heranbildung der „neuen Frau", nicht durch ästhetische Verhimmelung, sondern durch praktische Schulung, die Energie, mir der sie ihre Prinzipien auch im Leben vertrat, haben ihr eine Bedeutung geschaffen, die der bloß klugen Schriftstellerin sonst nicht zukam;" den spezifischen „Frauenroman", urteilt Meyer, hat für Deutschland 'doch erst Fanny Lewald geschaffen. Wir haben.bereits darauf Hingelviesen, daß ihr erster öffentlich erschienener Roman uns mit den Wehen einer neuen Zeit, mit den Anfängen einer sozialistischen Bewegung in Deutschland vertraut macht. Gewaltig war die soziale und volkswirtschaftliche Umbildung, die sich seit 1849 hier vollzog. Die totale Umänderung der Verkehrsverhältnisse, die riesigen Fortschritte der Technik, die Entwicklung der Großindustrie wirkten fundamental umändernd auf die Gruppierung der Bevölkerung. Da das Kleingewerbe und der Handwerkerstand durch die Maschinenkraft fast zurückgedrüngt wurden, zeigte sich andererseits ein großer Zudrang zu den Fabrikzentren, den Großstädten und damit ein Nebeneinanderstehen von Villenviertel und Arbeiterviertels also neben dem Bourgeois die Geldaristokratie und das Proletariat. Da kam als große gestaltende Persönlichkeit Ferdinand Lass alle. „Einer der merkwürdigsten Menschen ist er'in