Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Juden als Träger deutscher Kultur im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 120 (sequence 11)
- Language
- German
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120 Fm deutschen Reich. der. Schriftsteller untergrub, war Auerbach der einzige, der nach allen Seiten Verbindungen anknüpfte und unterhielt. Nur in München gab es einen in fröhlicher Gemeinschaft lebenden Dichterkreis; sonst aber barten die Otto Ludwig und Gottfried Keller (die beide er' entdecken half), die Friedrich Spielhagen und Hermann Kurz, vielfältig nur durch Auerbach Beziehungen 51t der Schriftstellerwelt außerhalb ihres nächsten Bezirks. Diese Tätigkeit des unermüdlich „menschenfreudigen" Mannes bildet nicht sein geringstes Verdienst. Denn ebenso vermittelte er auch zwischen dem Parlament und der Presse, brachte er die Höfe von Berlin und Karlsruhe mit der Literatur, und das Volk durch seinen Hebel nachahmenden Kalender „Der Gevattersmann", 1845—48, mit der Bildung des Tages in Berührung. Seine „Schwarzwülder Dorfgeschichten" (1843—54) machten ihn. in feiner Zeit zum populärsten Dichter Deutschlands. Daran war nicht bloß der Gegensatz 51t den verstiegenen Adels- und Künstlerromanen der Jungdeutschen schuld, sondern die Zeit. Sie kamen dem Verlangen der Zeit nach Einheit, nach Ueberwindung der Zersplitterung entgegen nnb gaben dem Mißmut Ausdruck über das Regiment einer allmächtigen Bureankratie, die alte Gerechtsame und altes Herkommen verletzte und beseitigte. Man denke nur an eine Erzählung wie Befehlerles, wo der Oberamrmann Rellings beu Schwarz Wälder Bauern das durch alte Herknunft geheiligte Recht, die Axt zu. tragen, verbieten will. Solche Figuren, wie der Buchmaier, der Marthes, der alte Schultheiß, waren künstlerisch und doch dem Leben entnommen, und wirkten daher aufs Leben. Umgekehrt blieben seine Romane deshalb weit -an Wirksamkeit hinter den Dorfgeschichten zurück, weil sie mehr unwirkliche, nachgeahmte, wie wirklich geschaute Persönlichkeiten auftreten ließen. Ganz vortrefflich sind dagegen seine Voltoerzählringen. Hier hat der leidenschaftliche Reichsfreund für die Anrrenndnng des ^großdeutschen" Süddeutschlands Zn Preußen mehr getan, als mancher berühmte Politiker. Anerbach hielt gute Freundschaft mit seinen Altersgenossen Hermann Kurz und Otto Ludwig, die beide die Dorfgeschichte anders als er anffaßten, beide aber von ihm beeinflußt wurden. Er hat auch einem andern Meister der Volkserzählungen freundlich die Hände geboten, der, älter als er, doch in seiner literarischen Wirksamkeit Auerbachs Auftreten und Erfolge voraussetzt'. Fritz Reuter! Sein Einfluß ist unverkennbar festzustellen bei den beiden Bauerndichtern Anzengruber und Peter Rosegger. Auerbach und Reuter verfolgen neben dem erzieherischen ein politisches Ziel: das Durchbrechen der Schranken, die der Egoismus des Junkertums aufgebaut hat. Es ist die Gleichberechtigung des Bürgertums, dte sie anstreben, eine literarische Fortsetzung der Revolution von 1848, die ja ein Kampf der