Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Juden als Träger deutscher Kultur im neunzehnten Jahrhundert
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 119 (sequence 10)
- Language
- German
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Fuden als Träger deutscher Kilktar Tm 19. Fahrhundert. 119 charakterisierenden Nachruf, „daß jedweder Kampf gegen Vorurteile der allgemeinen Freiheit zugute kam. und begrüßte als Bundesgenossen den Mann, der die Sache des prinzipiellen Rechts führt wider die brutale Gewalt der Tatsachen. Es Ist ein rühmenswertes Verdienst Rießers, daß er in seinen Schriften ausschließlich das Recht betonte, daß er sich nicht verleiten ließ, für die größere und geringere Würdigkeit seiner Schutzbefohlenen zu plädieren, sondern das Recht höher stellte als etwaige tugendhafte Qualitäten."— Es wird dem Dahingeschiedenen nie vergessen werden, daß er in der Zeit tiefer Versunkenheit sich anklammerte an das Vaterland, das Blindheit und Lüge ihm streitig machten, daß er mit seltener Begabung und redlichem Sinn kämpfte wider Verstocktheit und Arglist, und vor allem, daß er früh inmitten unfertiger und ratloser Zustände unbeirrt und entschlossen das Wort sprach, auf dem allein unsere Zukunft ruht: das Recht!" Rießers Ruhe und Reife, die Sachkenntnis des großen Juristen, die Naturkraft des geborenen Redners, der nur durch die Gewalt der Wahrhaftigkeit wirken wollte, wirkten folgereich auf Deutschlands freigesinnre Studentenschaft, die Burschenschaftler, wie sie sich nannten. Keinem aber waren seine Worte so aus der Seele gesprochen, so „von den Lippen genommen", wie Bettelheim schreibt, als wie dem jungen Studenten Berth old Auerbach. War doch auch ihm gleich Rießer Treue gegen Kindheits¬ und Familieuüberlieferung die notwendige Voraussetzung unwandelbarer Treue für das Vaterland, dem er seine Bildungfeine Kunst, sein Liebstes und Bestes zu danken hatte. Deutsche Größe in Kunst und Staat zu fördern, das Vermächtnis der Meister der Humanität zu hüten, Lessings Lehren ins Leben umzusetzen, war sein Bemühen; deutscher Natur in Bauernschaft und Bürgertum, am Hof und im Heere gerecht zu werden- und sie zum allgemeinen Verständnis zu bringen: das Ziel seines Schaffens. In der ganz eigenartigen, man kann sagen intimen Stellung, die er 511 feinen Gestalten einnimmt, unterscheidet er sich wesentlich, ja tritt er in einen absichtlichen Gegensatz zu dem gebildeten und kritisthen Literatentum des Jungen Deutschland. Er stand nicht, wie die jungdeutschen „Geistesjunker" vornehm über seinen Gestalten. Jene waren vor allem Individualisten; er empfand sich allezeit und mit lebhaftem Glücksgefühl als einen Teil großer Gemeinschaften.- Jn ihnen zu wirken, hieß ihm Leben. „Deshalb bildete er auch", schreibt R. M. Meyer, dessen Ausführungen wir hier folgen- „den Mittelpunkt geistig angeregter Kreise." In einer Zeit, in der das literarische Leben Deutschlands mehr denn je zersplittert wap und ein Kampf aller gegen alle die ästhetischen wie die menschlichen Lebensbedingungen