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Im deutschen Reich · 1915-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1915) · p. 117

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1915)
Article
Juden als Träger deutscher Kultur im neunzehnten Jahrhundert
Date
1915-05-01
Page
117 (sequence 8)
Language
German
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Juden als Träger deutscher Kultur inr '19. Jahrhundert. 117 man denke nur an jenes „Herr Doktor, sind Sie des Teufels", am Schluffe des .„Seegespenst" —, sondern vor allem seine Schrift „Die romantische Schule" beweist, so ist er auch der Aunnatioiut(c, aber nur int Gegensatz zu der christgerntauischeu Tendenz der Burschenschaftler, so ist er der Antideutsche mib doch im Herzen durchaus Deutscher; stenn sein Hohn und Spott gilt nur dem Metrernichisch 'unfreien imb tu seiner Unfreiheit sich philisterhaft behaglich streckenden und dehnenden Deutschland. 'Aus diesem Winterschlaf möchte er den deutsche!: Michel mit unsanften Püffen und Stößen, mir Keulenschlägen und giftigen Pfeilen aufrütteln." So konnte wohl auch Fritz Berolzheimer sein eben erschienenes Werk „Deutschland von heute" mit Recht mit den Worten beginnen: „Die Geburtsftätte des neuen Deutschland ist die Romantik. Den Romantikern, vor allem Heine, existiert ein Deutschland, das hinausstrebt über die Chimäre des Begriffs zur Realität/' Seitdem lebt und ivebt die Idee eines neuen Deutschlands im Bolle. Bon Börne aber mag, um die Tendenz seines literarischen Schaffens zu bezeichnen, jene Aeußerung genügen, die Heine über ihn getan, in der Stunde, wo er ihn mit dem Scharfblick des Hasses durch und durch schaute: „Börne war Patriot vom Wirbel bis zur Zehe, und das Vaterland war seine ganze Diebe." „Bor allein für die Freiheit als die Gesundheit und Ehre der Böller hat er zeitlebens gekämpft", schreibt Ziegler, „und dabei anfangs,auf Preußen gehofft, bis dieses unter Metternichs Leitung die Hoffnung aller Liberalen schmählich zuschanden machte. Nerv- und Sprungfeder seiner schriftstellerischen Tätigkeit waren politisch. So kommt natürlich der ganz unpolitische 'Goethe bei ihm schlecht weg. Kalt und herzlos mußte dieser dem Mann erscheinen, Hessen Herz ganz nur der Freiheit gehörte. Weil das /deutsche Volk sich zu viel gefallen laßt, tadelt er Schillers Tell, der zu langsam zur Tat schreite." Doch man lese lieber, an ,Drt und Stelle die bemerkenswerten Ausführungen weiter. Den Einfluß, den Börne und Heine auf die literarische und politische Bewegung der vierziger Jahre ausgeübt haben, können wir am Heften aus den knappen Worten R. M. Meyers entnehmen, mit denen er seine Abhandlungen über Freiligrath, Dingelstedt und Herwegh mit den Worten schließt: „Alle diese Männer haben von Heine und besonders von Börne .gelernt!" Aber bald ließ der zunehmende Ernst der Lage überall den Luxus überflüssiger Geistreicheleien und die Behaglichkeit ironischer Abfertigungen, wie wir sie besonders bei Börne finden., zurückweichen. Der französische „Esprit" trat zurück — der Witz, der deutsche Witz trat vor. Auch die parlamentarische Diskussion mit ihrem Bedürfnis nach rascher Wirkung trat in

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