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Im deutschen Reich · 1915-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1915) · p. 116

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1915)
Article
Juden als Träger deutscher Kultur im neunzehnten Jahrhundert
Date
1915-05-01
Page
116 (sequence 7)
Language
German
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116 Im deutschen Reich. Drittels des neunzehnten Jahrhunderts zu, als jene neue Richtung, das „Junge Deutschland", sich erhob, um zunächst einmal. literarisch die politische Erhebung von 1848 vorzubereiten. Jene große Auffassung des Dichterberuses, wie wir sie besonders bei den Dichterfürsten vorfinden, die den . „Seher" aus der Masse weit heraushob und ihn gleichsam mit einem abgestuften Hofstaat umgab, der uns allmählich und stufenweise zum Volk herabführte, schloß eine gewisse Isolierung von den Regungen eben dieses Volkes in sich. Der aufgeklärte Dichterdespotismus Goethes wollte, wie Metternichs konservative Politik „alles für das Volk, nichts durch das Volk". „Eine nt. großem Sinne 'gedachte ästhetische Erziehung des Volkes sollte von den höchsten, ewigen Voraussetzungen ausgehen und sich über Tendenzen der Zeit, als verschwindende Wellen stolz hinwegsetzen. Nicht nur Napoleon gegenüber, auch schon angesichts der französischen Revolution hatte dieser zu hohe Standpunkt dahingeführt, die Fühlung der großen Dichter mit ihrer Nation zu schwächen. Je stärker in der Nation selbst sich große Tendenzen regten, desto unvermeidlicher ward hier der Gegensatz der Tendenzdichtung gegen die „reine Poesie". Diesen Gegensatz klar ausgesprochen zu haben, seine Berechtigung mit Feuer verfochten zu haben, machte die Stärke des jungen Deutschlands aus." „Börne und Heine", schreibt Ziegler, dessen Ausführungen wir hier öfters folgen, „sind die Väter und Urheber des Jungen Deutschland. Beide sind Juden. Und so liegt es nahe, zu sagen, daß das Junge Deutschland eine wesentlich jüdische Geistesrichtung repräsentierte und haß darauf das negativ Zersetzende und das Kosmopolitische jin ihm zurückzuführen sei; schon Menzel,, erst der Freund der beiden und Verfechter der Judenemanzipation, spott.ete> als er mit ihnen zerfallen war, über „das junge Palästina". Aber erstens steht bis 1885) neben Ihnen als Dritter im Bunde eben dieser christgermanische BurscheNfchafier Menzel selbst, dessen literarischer Adjutant längere ZöitZGichkow war, und hält, von Anfang an dem spezifisch jüdischen'''Ginfluß die Stauge; /und fürs zweite lvaren die Stinimführer der Schule, die Gutzkow und Laube, die Wienbarg und Mundt keine. Juden." „Heine ist eine Proteusnatur, er schillert in tausend Farben, er ist eine Widerspruchsnatur. Daß Heine nächst Goethe der größte Lyriker Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert gewesen ist, ist unbestritten. Lieder, die wie die seinen auf Flügeln des Gesangs sich verbreiten und in den Melodien von Mendelssohn, Schumann n. 'a. in die Herzen des Volkes einziehen, sind echt, voll Seele imb Melodie. Wie er, von der Romantik ausgehend, worin seine ganze Poesie wurzeln doch Antiromantiker ist, wie es nicht nur viele seiner Gedichte —

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