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Im deutschen Reich · 1915-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1915) · p. 112

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1915)
Article
Juden als Träger deutscher Kultur im neunzehnten Jahrhundert
Date
1915-05-01
Page
112 (sequence 3)
Language
German
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112 Im deutschen Reich. übte den spöttischen Witz gegen die, welche tiefsinnigen Betrachtungen nachhingen und in der großen Welt nach einer gewissen übertriebenen Zärtlichkeit des Geschmacks nicht zu leben wußten. Die wenigen Weltweisen, die es noch hatte, fingen an, ihre runzlige Stirn aufzuheitern, und wurden artig. Endlich dachten sie auch artig. Sie schrieben Werke pour les Dames, ä la portee de tout le monde ittti> spotteten sehr. witzig der düstern Köpfe, deren Schriften noch etwas mehr enthielten, als das schöne Geschlecht lesen will. Die ehrlichen Deutschen spotteten mit, und wie konnten sie anders, sie, die gerne die Hälfte ihres 'Verstandes dahingeben, wenn die Franzosen nur zugestehen, daß sie-zu Icbctt wissen. Werden die Deutschen niemals ihren eigenen Wert erkennen? Wollen sie ewig ihr Gold für das Flittergold ihrer Nachbarn vertauschen? Sie könnte!: sich, ja wohl damit begnügen, daß sie größere und die Franzosen artigere Philosophen unter sich haben." Mendelssohn stritt für die Berechtigung der deutschen Philosophie. Kant führte die deutsche Philosophie auf ihren Herrschersitz. - Als Kant beim Antritt seiner Professur ein philosophisches Thema öffentlich, verteidigen sollte, fand er für die Rolle eines Beistandes keinen geeigneter als Markus Herz. Einige Vertreter der Universität machte!: zwar Schwierigkeiten, einen jüdischen Studenten ebenbürtig-zuzulassen, Kant aber bestand darauf und setzte dessen Zulassung durch. Als der Arzt Dir Markus Herz später Vorlesungen über die Kantische Philosophie in Berlin hielt, gehörte unter vielen ausgezeichnete!: Männer!: auch der Staatsminister von Zedlitz zu seinen: Zuhörern. Es geschah dies zur selben Zeit, als man de-r: 1762 in Berlin geborenen- Talmudgelehrten n::d Mathematiker Lazarus beit David zunächst an der Universität in Wie!: zu Vorlesungen über die Kantische Philosophie zuließ, eilten Mann, dem, als der Staat die Kantischen Lehren für glaubengesührdend erachtete, Graf Har rach sein Palais zur Fortsetzung seiner Vorlesungen einräumte. Mit Recht behauptet daher Guttmann in seiner Abhandlung „Kant und das Judentum": „Es gehört in die Geschichte der Kantischen Philosophie, welchen Anteil jüdische Kantianer, vor allem Herz und Bendavid, an ihrer Verbreitung hatten, und lute besonders ihre Vorlesungen, bei denen sich in Wien wie in Berlin alle geistig Interessierten vereinten, zuerst dahin wirkten, das Kantische Denken zu einem Bestandteile des allgemeinen deutschen Bildungs- Lebens zu machen/' „Und es gehört der Geschichte der deutschen Philosophie an", so fährt er fort, „mit welch freien: und selbständigen: Verständnis der polnische Jude Salo mo n Maimon als einer der ersten die Gedanken Kants in der Richtung fortbildete, die dann für die Entwicklung der deutschen Philosophie entscheidend wurde," Es if£ interessant, in Kants .Briefen zu lesen, wie

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