Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Polnische Juden
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 105 (sequence 5)
- Language
- German
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Polnische Juden. 105 Zettel" nehmen und sich als Prostituierte gebärden. And die Polizei ist schamlos genug, sie aus den Auioersitätsstädten schleunigst wieder auszuweisen, wenn sie das traurige Gewerbe nicht wirklich betreiben. Man mag die schmutzigen und blutigen Blätter der Weltgeschichte drehen und wenden, wie man will, aber eine gemeinere Tatsache und eine gemeinere Gesinnung wird man sicherlich nirgends finden. - Aatürlich übt der Vildungsmangel einen bedauerlichen Einfluß auf die Formen des Amgangs aus, und alle Mängel, welche aus dem Fernhalten von den Quellen des Wissens mit) der Bildung sich ergeben, wachsen riesengroß an. Es ist leicht zu spotten über die Anbildung und die schlechten Manieren der polnischen Juden! Mau soll lieber daran denken, eine wie unendliche und erschütternde Tragik darin steckt, daß so lernbegierige und wissenseifrige Menschen, die zum Lichte der Bildung sich drängen, mit rohester Gewalt in die Finsternis zurückgestoßen werden. Der unendlichen Größe der -Opfer soll man sich erinnern, die der ärmste jüdische Vater bringt, um seinen Kindern etwas Bildung und damit Freiheit und Zukunft zu geben. Es ist ein heroischer Kampf ums Dasein, den der polnische Jude ausficht, denn für ihn ist Bildung Leben! And wer über die Frühreife des jungen Juden sich entrüstet, wer über seinen kritischen, zersetzenden Geist, dem nichts Menschliches mehr fremd und angeblich keine Autorität mehr heilig ist, sich erregt, der möge eiusehen, daß unter so entsetzlichem seelischem Druck, unter der steten Anspannung und dem Zwange zu Höchstleistungen für den armen isprößling des polnischen Juden das Anbefangene und Frohe eines unbekümmerten Kindergemütes sehr früh verloren gehen muß! Ansere Zeit hat einsehen gelernt, von welchem Einfluß die wirtschaftliche Lage und die Bildungshöhe auch auf das sittliche Leben sind, und demzufolge muß man die sittlichen Verhältnisse des polnischen Juden sehr, milde beurteilen. Die besonders in den polnischen Städten leider vorhandene jüdische Prostitution ist lediglich eine Folge der dort herrschenden bittersten Aot. Wer die Seele und die Geschichte des Juden kennt, weiß, wie hoch feine sexuelle Moral von jeher stand. Wieviel Arr glück muß die polnisch e n Juden getroffen haben, um unter ihnen di e B a n d e d e s i n n i g e n F a rn i l i e n l e b e n s u n d d er k eu s ch e n Zurückhaltung zu sprengen! Der Mädchenhandel geht genau auf dieselben Arsachen zurück. Gewiß wird kein Jude für den jüdischen Mädchenhändler, diese Bestie in Menschengestalt, eine Lanze einlegen, aber tatsächlich ist es doch der wirtschaftliche Anrergrund, auf dem diese Schmach der Zeit sich erhebt. Die Händler sind leider meist Juden, weil ihre Opfer fast nur blutarme Jüdinnen sind! Die der Schande preisgegebeneu Jüdinnen des Ostens sollen gewiß nicht verherrttcht werden. Wer gerecht denkt, wird aber anerkennen, daß das (Schicksal jener unglücklichen Wesen, die sich nur verkaufen, um Eltern und Geschwistern das kärgliche trockene Brot zu schaffen, weit eher Mitleid als ein Verdammungsurteil verdient. Prostitution und Mädchenhandel sind eine Schande, aber der Vorwurf gilt weniger den jüdischen Opfern als den Machthabern, deren teuflische Pläne einen Volksstamm mit ausgeprägtem Familiensinn so tief erniedrigt haben! Besondere Veranlassung zur Entrüstung und zum Spotte bieten die h y g i e n i s ch eit Zn ft ände bei den polnischen Juden. Aber noch mehr als bei der Sittlichkeit gilt auch für diese äußerlichen Dinge der Satz, daß man die Abhängigke'.t von anderen Faktoren nicht übersehen darf. Sauberkeit ist nur dort zu Hause, wo die wirtschaftliche Lage eine befriedigende ist, wo Bildung und