Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1915)
- Article
- Das tägliche Brot
- Date
- 1915-05-01
- Page
- 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Fm deutschen Reich. $o$ Ku trinken! Dafür haben diese Männer ihr Leben dn* gesetzt!" Er goß es aus, als ein Opfer vor dem Ewigen. Diese Geschichte darf uns nicht verloren gehen. Sie sollte dem sorglosen, unbekümmerten Menschen eingeprägt werden, um ihn aus seiner schweren Gedankenlosigkeit aufzurütteln. Denn ähnliches. wie jener frische Soldatenstreich, ereignet sich auch im Frieden unablässig, freilich ganz unscheinbar, im grauen Alltag und nicht verklärt von dem strahlenden Glanze der heldenhaften Tat. Nicht im fröhlichen Krieg, sondern in der täg-- lichen mühsamen Arbeit setzen viele mit dem gleichen Heldenmut unbeobachtet ihr Leben für uns ein, in gefährlichen oder ungesunden Berufen, bedroht von Lausend Gefahren. Unser Behagen, unsere Lebensbedürfnisse, sind mit dem Leben, der Gesundheit, den Sorgen von Menschen, die wir nicht kennen, so teuer bezahlt, wie einst der erfrischende Trunk aus der Quelle von Bethlehem. Wenn wohlige Wärme unser Heim behaglich durchströmt, denken wir nur selten an den Bergmann, der die Kohle unter Lebensgefahr aus der Erde gebrochen hat, bedroht von schlagendem Wetter und fallendem Gestein. Wenn wir aber an ihn denken, fürchten wir uns auch vor der Sünde, so schwer errungene Güter gedankenlos zu vernichten oder sinnlos zu vergeuden. Dann fühlen wir uns dafür verantwortlich, wie wir unser Leben genießen. And mehr noch, als im Frieden sind wir im Kriege Nechenschaft darüber schuldig. Alles wird ehrwürdig, was durch Opfer an Leben und Gesundheit errungen worden ist. Die lange Reihe dieser geheiligten Güter ist seit dem Beginne des Krieges noch um ein Glied vermehrt worden. Das tägliche Brot ist dazugetreten. .Vorher war es in den Augen vieler nur ein Nahrungsmittel. Heute ist es für alle geweiht durch das Vaterland, von dessen Heeren es geschützt wird, und dem es selber so notwendig ist wie die Panzerschiffe und die Kanonen. Daß jetzt, nachdem seit neun Monaten an allen unseren Grenzen per Krieg tobt, unsere Heimat in Frieden lebt, nicht viel anders als vor dem Ausbruch des großen Brandes, ist ein wunderbarer Triumph. Aber er ist schwer errungen. Unsere Ruhe, unser Leben, unsere Sicherheit, unser Behagen, alle diese schönen Güter stehen in enger Verbindung mit den langen Listen, die uns alltäglich die Namen der Gefallenen und der Verwundeten nennen, mit den Kranken und Schwerverletzten, die von Osten und Westen in unsere Spitäler gebracht werden. Mit mehr Mut und mit mehr Aufopferung, als heute unser tägliches Brot, ist auch der kühle Trunk aus der Quelle von Bethlehem nicht erobert worden. Der ritterliche König goß ihn als Opfer aus, weil es eine Sünde gewesen wäre, ihn zur Erfrischung für einen dürstenden Mann zu mißbrauchen. Und uns möge Gott davor bewahren, das Brot