Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Der Krieg und unsere Jugend
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 79 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Krieg und unsere Jugend. 79 Hub auch noch nach NI Luch' anderen Seiten können und werden durch diese Vorbilder unsere Kinder, wenn sie in der vorhin gekennzeichneten Weise darauf aufmerksam gemacht werden, wohltätig in ihrem Wollen -beeinflußt werden: Die Zähigkeit und A u § b <x u e r unserer braven Krieger, das Festhalten der im§ Felde errungenen Vorteile wird die Flüchtigkeit und den leichten Sinn, der der Jugend eigen \% am ehesten bannen können, ihr im Ernst der Zeit den ernsten Willen nahebringen, der die Grundbedingung für jedes Vors wärtskommen auf der Lebensbahn ist: alle die Entbehrungen und Entsagungen, die unsere Soldaten tage- und wochenlang auf sich nehmen, werden am ehesten unsere Jugend von den Fehlern abhalten, in die sie gern verfällt, von dem' Genießen und Prunken, dem Hang zur Verweichlichung und Verzärtelung. Dem richtig geleiteten Knaben wird es jetzt klar, wie er sich durch Hebung in solcher Entsagung, in Abhärtung und schonungsloser Ausdauer am besten für sein späteres Leben vorbereitet,- das Mädchen wird jetzt inne, wie jede Auffälligkeit in Putz und Tracht, wie die eitle Sucht, bemerkt zu werden, unangenehm wirkt und als Zeichen mangelhafter Erziehung angesehen wird, wie wahre Vornehmheit vielmehr eine würdige? Zurückhaltung im Auftreten wie in der Lebensweise bedingt. Gleich nachhaltig kann ans das Wollen unserer Kinder ein» gewirkt werden durch die Mitteilungen der obersten Heeresleitung, die Schilderungen von Kämpfern und Berichterstattern und durch die Dichtungen der Gegenwart. Der kurze, knappe Stil in den Tagesberichten der Heeresleitung, der sich ohne jedes Peiwerk mit der Aufzahlung der Ergebnisse der Kämpfe begnügt und selbst hervorragende Erfolge in der gleichen — wie in Stein und Erz gemeißelten — Form verkündet, gibt der Jugend ein herrliches Beispiel für den alten Satz, daß die Wahrheit keiner Verhüllung bedarf und keine verträgt, daß sie den Nebel der Lüge, Heuchelei und Hinterlist zu zerreißen imstande ist. Die Sintflut von Lügen über Grausamkeiten, die wir „Barbaren" verübt haben sollen, die Heuchelei, mit der England seine Habgier verbrämte, und durch die es eine Zeitlang gelang, namentlich die Bewohner der Neuen Welt zu täuschen, sind durch diese amtlichen Berichte bald in ihrem Wesen erkannt worden, und überall, wo man nicht gerade blind sein will, herrscht jetzt die Neberzeugung, daß wir die Wahrheit sagen und vertreten. Auf diesem Wege kann den Kindern der Segen unbedingter Wahrheitsliebe im Leben und Handeln so recht deutlich gemacht werden, können sie auf die Pflicht hingewiesen werden, die Wahrheit schon in der Schule und in ihrem alltäglichen Lebenskreise zu betätigen, nicht minder auch die sittliche Pflicht der Treue zu üben, die ja in engem Zusammenhang mit der Wahrheit steht, und die die