Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Der Krieg und unsere Jugend
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 77 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Krieg und unsere Jugend. 77 nichtung preiszugeben und die Kräfte des Landes auf Jahrzehnte hinaus zu schwächen. An diesen wirtschaftlichen Grund Lassen sich dann in der Belehrung leicht Erwägungen knüpfen, ob wir im deutschen Reiche nach glücklich erlangtem Frieden nicht die Bestrebungen nachhaltiger unterstützen sollten, die mit dem bisherigen politischen System, wie es sich in Europa in den großen, gegeneinander gerichteten Bündnissen und den dadurch bedingten Massenrüstungen darstellt, brechen und an deren Stelle die Arbeit für das höchste Ideal der Menschheit, die goldene Zeit des Völkerfriedens, fetzen wollen. And noch eins haben wir in dieser Hinsicht unseren Kindern klarzumachen: Auch mitten in diesem Kampf dürfen wir unseren Haß nicht zu einem menschenunwürdigen ausarten lassen. Das geschieht aber, wenn wir ihn aus der berechtigten Atmosphäre der Erbitterung über die Rot des Tages, die unsere Feinde heraufbeschworen, des Zorns über allen Frevel, der an uns verübt worden ist, herabziehen zur niedrigen tierischen Wut — aus jener Atmosphäre kann nach beendetem Völkerringen Versöhnung und Verzeihung, ja sogar Liebe der sich jetzt befehdenden Gegner entstehen; der niedrige Haß führt zu immer wachsender Erbitterung bis zu gegenseitiger Vernichtung. Anwürdig ist er sodann, wenn er sich einer einzelnen Person gegenüber kundgibt; nicht dürfen wir das Einzelwesen, das ja in den meisten Fällen ohne jeden Einfluß auf die Entscheidung der leitenden Persönlichkeiten seiner Ration ist, wegen seiner Zugehörigkeit zu ihr leiden lassen, es gar, wenn es unser Gastrecht genießt, durch haßerfüllte Aeußerungen und Schmähungen kränken: lediglich das Volk als Ganzes steht uns gegenüber, Völker und nicht Personen führen den Streit. Bei solcher Auffassung rücken unserer Jugend die Feinde wieder menschlich näher; die Kinder lernen es verstehen, wie der kampfunfähige Feind ritterlich behandelt wird, wie verwundete Gegner im Lazarett kameradschaftlich mit einander verkehren, wie all die Werke und Dienste barmherziger Menschenliebe gleichmäßig Feinden und Freunden zugute kommen, „wie der eigentliche Sinn des Krieges in dem Frieden liegt, zu dem er führt, der Völker Haß in einem neuen Reich der Menschenliebe enden soll und muß". Nicht minder kann die gewaltige Zeit, die wir durchleben, für das Wollen unserer Kinder fruchtbar gemacht und so zu rechtem Segen für ihr ganzes Leben werden. Führen wir ihnen daheim und in der Schule — und wir können es nicht oft genug tun — das wunderbare Schauspiel vor, das sich bei Beginn des Krieges unseren Augen bot. Kaum war der Kriegsruf von der höchsten Stelle des Reiches ergangen, und schon standen Millionen wackerer Männer, ein jeder an dem Platze,