Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Der Krieg und unsere Jugend
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Fm deuUHerr in Reih und Glied, verschwunden sind auf einmal alle die häßlichen Erscheinungen, die sich in der Friedenszeit empor-' gewagt und unser Volk zu vergiften und zu entzweien versuchten: Das Deutsche Reich zeigt ein wunderbares Bild von Einigkeit und Einheit, das deutsche Volk ist jetzt wirklich die Gesamtheit aller deutschdenkenden Menschen! Unsere, der Eltern und Lehrer, Pflicht ist es aber nicht nur, das Bewußtsein von der Notwendigkeit des Staates der Jugend nahezubringen, sondern ihr zugleich Richtlinien für die Zeit des kommenden Friedens zu geben, damit sich nicht die Widrigkeiten und Unebenheiten, die sich in dem ersten Abschnitt seines Bestehens zeigten, wiederholen. Angesichts des einmütigen Zusammenschlusses aller Teile des deutschen Volkes müssen wir unserer Jugend zu Semüte führen, daß es nicht mehr Vorkommen darf, einzelne Gruppen als innere Feinde oder Daterlandsgegner zu bezeichnen, Bekenner bestimmter religiöser oder politischer Ikeberzeugungen als minderwertige Glieder oder gar als Fremde anzusehen und sie allerhand Beschränkungen im öffentlichen Leben zu unterwerfen, daß auch keine politische oder wirtschaftliche Partei für sich allein die Bezeichnung der staatserhaltenden oder fördernden mehr in Anspruch nehmen darf. Wir müssen unseren Kindern klarmachen, daß zwar die Eigenart jeder Individualität und jeder Parteirichtung auch weiterhin wird zum Ausdruck gebracht werden müssen, denn nur aus dem edlen Wettstreit der Kräfte kann neues Leben und weiterer Fortschritt erblühen, daß aber jeder einzelne sich bewußt bleiben muß, wie alle Richtungen gleiche Berechtigung haben, und daß sie alle dem G t a a i § g e b a n f e n, dem Staatswohl, sich unterzuordnen haben. Wird dieses Bewußtsein unseren Kindern nahegelegt, dann werden sie später dafür kämpfen, daß alle die traurigen Nebenerscheinungen des öden Parteizwistes, des Cliquenwesens, der Unduldsamkeit aus unserem Vaterland verbannt bleiben. Kann so durch Elternhaus und Schule das Denken des Kindes in der Gegenwart beeinflußt werden, so wird auch das jugendliche F ü h l e n gerade jetzt in richtige Bahnen gelenkt und in wohltätige Zucht genommen werden müssen. Die Jugend gibt sich ja leichter als das gereiftere Leben augenblicklichen Gesühlserregungen Hinz und größer ist bei ihr die Gefahr, in bedenkliche Abirrungen zu geraten, die oft dauernde Schädigungen für das eigne Empfinden im Gefolge haben. Das im alltäglichen Geleise sitz bewegende Leben kn der Friedenszeit bietet für die Abirrungen, aber auch für das Erwecken der sogenannten edlen Gefühle weniger Gelegenheit, als das gewaltige Schauspiel, das sich jetzt dem kindlichen Auge zeigt, der Krieg. Mit einem Schlüge wirft er alle Gefühle, die Eltern und Lehrer kn das jugendlkche Gemüt zu pflanzen skch