Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 66 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Im deutschen UsrH^ Erst durch das Herz, so lehrt ein Psychologe, sind wir ein Zentrum der Welt, in welches der Strom hinelngehL, und von welchem es wieder herausströmt. Das vielgerühmte jüdische Herz ist groß genug, um Vater und Mutter zu lieben, um Deutschtum und Judentum in sich, zu vereinigen. — Es dürfte interessant sein, durch ein Beispiel das Gesagte zu bestätigen. Als die Kriegsflamme zu lodern begann, da haben wir erkannt, daß nicht nur das Schwert, sondern auch das Wort eine Macht ist, die mithelfen muß, den Sieg zu erringen. Als Lüge auf Lüge von den Feinden verbreitet wurde, um die Ehre des deutschen Volkes in den Augen der Welt zu erniedrigen, da standen unsere deutschen Denker und Dichter auf, um in Wort und Schrift den Sieg der Wahrheit herbeizuführen. Mit das bedeutsamste dieser Kriegsliteratur ist der Vortrag von Hermann Cohen über „das Eigentümliche des deutschen Geistes". Er, der deutsche Denker, zugleich der jüdische Weise, ergründet in meisterhafter Weise das Eigentümliche des deutschen Geistes. Dieses eine Beispiel ist an sich schon ein lebendiger Protest gegen die Anschuldigung, daß der deutsche Jude mit der deutschen Volksseele nicht mitdenkt und mitfühlt. Wie wird die Ankunft der deutschen Juden sich gestalten? Wird die Kraft der jetzt zu einer Einheit gewordenen deutschen Volksseele für alle Zeiten segensreichwirken? Wird die Zurücksetzung der Juden nach dem Kriege dieselbe bleiben wie in der Zeit vor dem Kriege? Werden die Staatsinteressen dadurch weiter leiden müssen, daß ihnen befähigte und zuverlässige Kräfte entzogen werden? Nach dem Kriege kann und wird die Einigkeit nicht in derselben Weise fortbestehen, wie in der Gegenwart, da die große Sorge um das Vaterland all die inneren Kämpfe der Parteien zum Schweigen gebracht. In politischen, religiösen, sozialen Fragen werden wieder verschiedene Auffassungen zur Geltung kommen. Wir sind Gott suchende, nach Wahrheit strebende Menschen, die auf verschiedenen Wegen das Ziel erreichen; immer werden verschiedene Ansichten sich durchsetzen wollen. Aber wir wollen hoffen, daß 'man unsere große Zeit nicht vergessen wird, die bewiesen hat, daß wir im Grunde der Seele ein Volk sind, daß wir alle, alle unser Leben für das Vaterland hinzugeben bereit find, daß wir alle, alle gleichwertig sind. Nicht als Juden, sondern als Deutsche sollten wir hoffen dürfen, daß eine Partei verschwinde, und zwar diejenige, die solche Bürger entrechten will, die im Kriege mit ihrem Herzblut für Deutschlands Ehre gekämpft haben und nur die eine Schuld auf sich geladen, daß sie ihrer religiösen Neberzeugung treu bleiben. Das Blut der Gefallenen wird zum Himmel schreien, wenn unsere > Feinde jtzr gefährliches Spiel fortsetzen