Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 65 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Innere Mission. 65 geschlecht zum starren Stillstand. Wird man auch in der Zukunft mit der Rassentheorie Ilnfug treiben, nachdem die gewal- Lige Gegenwart gezeigt hat, daß die Seele die Menschen zu einem Volke verbindet? Kämpfen nicht jetzt Germanen gegen Germanen, hat sich nicht der Engländer mit Slaven, Japanern, Kelten und unzivilisierten Volksstammen verbunden, um seine blutsverwandten Vettern zu vernichten? Wir Juden haben gewiß alle Ursache, als Nachkommen des Prophetenvolkes mit Stolz „aus den Fels zu blicken, aus dem wir gehauen sind", aber wir wissen, daß unser Fühlen und Denken auch aus der deutschen Volksseele heraus geboren ist: wir haben jetzt erlebt, was uns Deutschland bedeutet. Wenn ferner noch von dem Blute gesprochen werden sollte, das die Menschen verbindet, so sei darauf hingewiesen, daß christliches und jüdisches Blut gemeinsam die Erde getränkt. Wer belehrt sein will, wird belehrt werden; für den, der nicht belehrt sein will, spricht auch Gott vergebens. Die gemeinsame Sprache ist ein objektives Merkmal der Zugehörigkeit zum Volke, aber stärker als dieses ist der subjektive Wille des einzelnen, dem Volke mib dem Staate anzugehören, als dessen lebendigen Teil er sich fühlt. Ls widerspricht eigentlich unserer Würde, aus das Selbstverständliche hinzuweisen, wie der deutsche Jude „die gemeinsame Bot der Deutschen" fühlt und wie sein Wille, ganz Deutscher zu sein, sich jetzt in elementarer Gewalt gezeigt hat. Wir vernehmen aber immer noch Stimmen, die diese heilige Empfindung bezweifeln und sogar verletzen: daher muß auch das Selbstverständliche wiederholt werden. Der zurzeit ergangene Aufruf des Centralvereins, daß die Juden mehr als ihre Pflicht erfüllen stellen, war uns allen aus der Seele gesprochen. Nicht deswegen ist unsere Begeisterung jetzt so gewaltig, weil der größte Teil aller Juden deutsch spricht und an deutscher 'Kultur Leilnimmt, auch nicht deswegen, weil Per Todfeind der Juden, Rußland, bekämpft wird; nein, die deutsche Volksseele hat uns Juden ebenso ergriffen, wie unsere christlichen Mitbürger. Haben wir, als das Vaterland rief, nur jemals daran gedacht, daß wir im Heere, in dessen Reihen wir unsere todesmutige Fugend hingesandt, zurückgesetzt worden sind? Haben nicht so viele jüdische Soldaten das Eiserne Kreuz in der Feldschlacht errungen? Ist nicht die jüdische Jugend ohne Rücksicht auf das, was gewesen ist, oder auf das, was sein wird, freudig in den Tod gegangen? Hat sie nicht denselben Mut bewiesen wie die christliche Jugend? Wie oft habe ich bei meinen Besuchen in den Lazaretten von jüdischen Verwundeten gehört, daß sie kaum die Stunde der Genesung erwarten können, um loieder vor die Front kommen zu können.