Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 64 (sequence 16)
- Language
- German
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64 Irrr deutschen Reich. Tie deutsche Volksseele und die Juden.. Tie Rasseutheoric. Liebe und gleicher Haß erfüllen all unsere Seelen. Die Not des Vaterlandes hat dieses Wunderwerk geschaffen. „Ein Volk sein, heißt, eine gemeinsame Not empfinden." Diese Definition eines deutschen Denkers hat sich glanzend bewährt. Man ist geneigt, die Frage zu stellen, ob es noch eine Einzelseele gibt, die jetzt eigene Wünsche empfindet. Manche Einzelseele geht in ihrem glühenden Eifer zu weit, sie kommt in Gefahr, überkriegerisch und fanatisch zu werden. Ein Weiser Israels lehrt anknüpfend an ein Psalmwort: „Vicht den Sündern, sondern der Sünde gelte unser Haß". Bis zum Aeußersten müssen wir kämpfen, damit der Feind zu Boden gerungen werde, aber der Einzelmensch darf auch in der tiefsten Erregung nicht das Ideal der Menschheit aus seiner Seele herausreißen. Zeigen wir unseren Feinden, daß wir besser sind als sie selbst! Der Einzelmensch darf auch 'nicht , vergessen, daß die leitenden Staatsmänner der feindlichen Mächte es waren, die die furchtbare Schuld auf sich geladen und ihre Völker in dem verhängnisvollen Krieg geführt. Vor dem Kriege, da unser Volk in Parteien zerklüftet war, bemühten sich diejenigen, die uns Juden entrechten wollten, ihre niedrige Leidenschaft mit einem Deckmantel zu verhüllen, der aus Lug und Trug gewebt ist. Statt der Seele des Volkes verherrlichten sie nur das Blut des Volkes, aber auch, bei der Prüfung des Blutes ließen sie sich arge Fehlschlüsse zuschulden kommen; sie stellten über die Zugehörigkeit zum Volke und zum Staate Theorien auf, die zu gefährlichen Konsequenzen führen mußten und geführt haben. Die Rasse soll es sein, die ein Volk zum Volke macht; diese Irrlehre nahm leidenschaftliche Dimensionen an, verführte und verwirrte viele Geister. Oft erfindet der Mensch zuerst ein Programm, das seinen Wünschen entspricht, und dann erst versucht er es mit haltlosen Hypothesen zu rechtfertigen. Wir wissen jetzt, wie es mit der Rassentheorie überhaupt bestellt ist, wir wissen, daß nicht der Körper den Geist, sondern der Geist den Körper aufbaut. „Blut ist dicker als Wasser", so lautete einst ein geflügeltes Wort, jetzt sehen wir, daß das Blut nicht immer „ein edler Saft" ist, und daß man sich mit demselben auch dem Bösen verschreiben kann. Die arische Rasse wurde gesegnet als die edelste, die semitische verwünscht als die schlechteste. Tatsächlich gibt es keine arische und semitische Rasse; nur von arischen und semitischen Sprachen und nicht von solchen Rassen kündet die Wissenschaft. Ein geistiger Führer des russischen Volkes, zugleich ein rabiater Judenfeind, schreibt: „Die Deutschen sind eine ganz niedrige Rasse, ein Mittelglied zwischen ,,Mensch und Asse." Wan sieht, wie die eine Lüge zur Mutter der anderen wird. Die Rassentheorie leugneL die Freiheit der geistigen Entwicklung und verurteilt das Menschen-