Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 61 (sequence 13)
- Language
- German
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Sintere Misfisu. 61 rechts für die Beurteilung eines Krieges kommt es auf die Motive au. Der Krieg ist an sich keine Naturnotwendigkeit. „Er hat aber Liefe Wurzeln in der menschlichen Natur, wie sie nun einmal geschaffen ist, und der Fortschritt der Kultur hat diese Wurzeln nicht ausgerottet." Diese Worte Euckens werden durch die Wirklichkeit bestätigt. Die Motive ent scheiden über di Bewertung deZ Krieges. Wirtschaftliche, politische, nationale Gründe einerseits, Machtgelüste, Ehrgeiz, Neid andererseits sind die starken Mächte, die Kriege heraufbeschwören. Vom Standpunkt der Kultur aus darf der Krieg nur nach seinen sittlichen Motiven bewertet werden. Kriege, die geführt werden, um den kriegerischen Sinn zu pflegen und auf Angriffe und Eroberungen ausgehen, Kriege, die vermieden werden können, werden vom Standpunkt der Kultur aus mit Recht als Versündigung an der Menschheit hingestellt. Kriege aber,' die unsere Freiheit, Selbständigkeit und Ehre verteidigen, die, vom Geiste des Rechtes und der Gerechtigkeit getragen, das Vaterland vor drohender Verwüstung retten wollen, sind trotz der damit verknüpften verhängnisvollen, furchtbaren Leiden sittlich geboten. Oder hätten die Makkabäer nicht das Schwert ergreifen sotten, als die Syrer sie zum Heidentum zwingen wollten? Sie kannten die prophetischen Ideale des ewigen Friedens, aber sie wären Feiglinge gewesen, wenn sie nicht mit dem Schwerte in der Hand ihre Freiheit verteidigt hätten. Was wäre aus der Welt geworden, wenn die Makkabäer keine Kämpfer gewesen wären? Das Heidentum hätte gesiegt, das Judentum wäre vernichtet worden und mit ihm die reine Gottesverehrung. Wenn die Hellenen die Perser in siegreichen Schlachten nicht besiegt hätten, was wäre aus der Entwicklung der Kultur geworden? Wenn unsere Väter vor einem Jahrhundert die Freiheitskämpfer nicht geführt hätten, was wäre aus Deutschland geworden? Mehr als 43 Jahre blieben wir ein Volk des Friedens, obwohl wir von anderen Völkern auf das schwerste gereizt wurden. Unser Kaiser wollte ein Friedensfürst sein und bleiben, nie sprach er vom frischen fröhlichen Krieg. Erst als die eiserne Notwendig- TcUschiaud keit es erheischte, rief er sein Volk zu den Waffen. Unsere Ehre, ^FUeden^ unsere Selbständigkeit war bedroht, und da mußte der Fürst des Friedens das Schwert aus der Scheide ziehen. Ein solcher Krieg ist ein sittlicher, ja ein heiliger! Feige wäre es gewesen, wenn man die Erniedrigung Deutschlands geduldet hätte. Man nennt uns jetzt die Barbaren, die Kulturzerstörer, man erfindet Unwahrheiten, um die eigene Kulturwidrigkeit zu verhüllen. Wenn ein Gradmesser für den Kulturzustand eines Volkes die Behandlung der Minoritäten und besonders der Juden ist, so ist es geradezu ein Hohn, wenn unsere russischen