Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 60 (sequence 12)
- Language
- German
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60 Im deutschen Reich'. Vertreter neutraler Staaten zu entscheiden hätten, könnten wir das Resultat mit Sicherheit voraussehen. Weil man uns nicht kennt und den Lügen der Feinde glaubt, werden wir jetzt auch von neutralen Staaten gehässig beurteilt; weil man unsere machtvolle Entwicklung uns neidet, will man unseren Wert Ne Phllüsophien verkleinern. In leidenschaftlich erregten Zeiten sinkt der Intellekt 1U£vUjn^:e häufig zum Diener des Willens herab, und dann entscheidet der irregeleitete Wille, wo das Recht allein maßgebend sein sollte. Die Ideale Kants sind hoch und heilig, aber vorläufig erscheinen sie uns noch als unerreichbare Ideale. Wir müssen als Kulturmenschen sicherlich alle Bestrebungen von Herzen begrüßen, die aus internationalem Wege Völkerkonflikte beseitigen wollen, niemals dürfen wir jedoch vergessen, in welcher Welt wir leben. Um. uns ein klares Urteil zu bilden, müssen wir nur daran denken, daß vom russischen Kaiser, der mit die Hauptschuld an der Weltkatastrophe trägt, solche Friedensbestrebungen angeregt worden sind. Vorwärtsstreben auf dem Wege, der zum Völkerfrieden führt, aber fest bleiben, wenn der einem friedlichen Volk ruchlos aufgezwungeue Krieg die letzte Konsequenz sein muß. — Hegel bewertete den Krieg ganz anders wie Kant. Für ihn ist der Krieg notwendig, um dem Endlichen seine Endlichkeit zum Bewußtsein zn bringen. — „Fichte liebt auch den Krieg nicht mehr als irgendein anderer", aber erst muß nach seiner Ansicht der Grund der Kriege aufgehoben werden, wenn der Krieg aufgehoben werden soll. — Bekannt ist der Ausspruch Moltkes, daß der ewige Frieden ein Traum und nicht einmal ein schöner Traum ist. — Wie sollen wir uns zu dieser Frage stellen? Die oft angeführte Tatsache, daß der Krieg auch Großes und Erhabenes hervorruft, genügt nicht zu feiner Rechtfertigung. Rudolf Eucken sagt in seiner Abhandlung über den Krieg und die Philosophie mit Recht folgendes: „Auch Krankheit, Rot und Elend können zur Vertiefung und Veredlung der Seele wirken und den Menschen im neuen Lichte zeigen; trotzdem erklären wir sie nicht für ein Gut, und erstreben nicht sie, sondern ihr Gegenteil. Was gute Folgen haben kann, ist damit noch nicht bei sich selbst gerechtfertigt. Der Kriegszustand bleibt ein unnormaler Zustand, und mit gutem Grund geht von altersher und immer von neuem die Sehnsucht der Menschheit nach einem ewigen Frieden, wo Haß und Streit verschwinden." Derselbe feinsinnige Denker pflichtet Fichte bei, daß erst die Gründe der Kriege anfgehoben werden müssen, wenn der Krieg selbst aufgehoben werden soll. Es muß geprüft werden, „ob die Menschenverhältnisse, wie sie nun einmal sind, das gestatten; läßt er sich aber nicht ohne weiteres aufheben, so kann ganz wohl ein besonderer Krieg ein gutes Recht, ja, eine sittliche Würde erlangen". Ja, darin hat Eucken