Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. 59

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Article
Innere Mission
Date
1915-03-01
Page
59 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316851-2316853-2349559--25308-2349657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mnere Mission. ZD III. Dorr dem Tage ab, da unsere Krieger in das Feld gezogen, erfüllte uns der Hilmare^. r/auchzende, zum Tode bereite Enthusiasmus, wie wir unh un e:e Väter ihn noch nicht erlebt. Noch nicht einen Augenblick har uns die felsenfeste Zuversicht auf ruhmvollen Sieg verlassen, im Gegenteil, sie ist starker geworden: wir haben gesehen, was unser Heer und unser Volk zu leisten vermag. Wir wußten, daß die Zahl und die Macht unserer Feinde groß ist, aber wir ahnten nicht, daß unsere Feinde die Grundlagen des Völkerrechts mit Füßen treten würden und wir glaubten nicht, daß der Krieg mit so furchtbarer Gewalt das ganze Weltenall erschüttern wird. Wir sind fest überzeugt, daß der Ausgang des Weltkrieges für uns ein rühmlicher sein wird; aber trotzdem entringt sich oft unserer Seele die ernste Frage, ob das, was wir jetzt erleben, das Nesullat unserer Kultur sein soll. Wenn wir daran denken, wieviele Menschen, wieviele Krllturwerte in kurzer Zeit vernichtet wolden sind, dann wird uns als Kulturmenschen bei aller Siegesgewißheit doch zuweilen bang in der Seele. Soll der Menschengeist so viel erfunden und entdeckt haben, um mit diesen Errungenschaften andere Werte zu zertrümmern? Scheint nicht die Lehre von dem Fortschritt der Menschheit angesichts des Weltenkampfes bankrott geworden zu sein? Soll all das Schaurige und Traurige, das der Krieg mit sich bringt, notGendig sein? Soll nicht vielmehr von uns allen das Endziel aller Kultur, der ewige Weltfriede, mit heißem Bemühen erstrebt werden? Große Denker, die tm Spiegel der Ewigkeit den Gottesgeist und Menschengeist erfassen wollten, versenkten sich in diese Frage und erarmibeteii die kriegerischen Gefühle in ihrem Ursprung und ihrer Wirkung; verschieden lauten ihre Antworten über das Verhältnis von Krieg und Kultur. Kant, den man immer zuerst nennen muß, wo es gilt, moralischen Wahrheiten auf den Grund zu kommen, erkennt zwar eine sittliche Aufgabe des Krieges für die Einzelpersonlichkeiten an, erhebt aber im Prinzip Protest gegen den Krieg an sich. Der Krieg, so meint er, entscheidet mit Gewalt das, was durch Bechtsderfahren allein entschieden werden sollte. Gerechtigkeit sollte nicht nur im Eiuzelstaate sondern auch in der Menschheit überhaupt herrschen. Um dies zu erreichen, sollen die Völker zu einem Verein von Staaten sich verbinden und so den ewigen Frieden ermöglichen. Der Vünerfriede ist die Verwirklichung des Aechtsgedankens. — Ist die Menschheit reif für diese Ideale? Der Wunsch ist der Vater dieses hohen Gedankens, aber stärker als alle Theorie ist die rauhe Wirklichkeit. Nehmen wir an, daß heute eine überstaatliche VechtsgemeinschafL über das zu entscheiden hätte, was den blutigen Krieg entfesselt hat; wie traurig würde es um Deutschland bestellt sein: Selbst wenn nur Der ttrieg und die Kultur. Der ewige Welt friede.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.