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Im deutschen Reich · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. 58

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Article
Innere Mission
Date
1915-03-01
Page
58 (sequence 10)
Language
German
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58 Fm denffchsn UeiG sie, die schneller waren als Adler — stärker als die Löwen. —: Ihr Töchter Israels weinet um sie . ° . — Leid ist mir um dich. Wie warst du mir so lieb, gefallener Held, deine Liebe war mir wundersamer -als Frauenliebe, wie sind die Helden gefallen, zerbrochen das Rüstzeug des Kriegs . Jetzt, in der Zeit der Rot, versteht man die wuchtige, ehrliche Sprache, die im -alten Testament zum Ausdruck kommt. Früher meinte man;, in dem Gott der Vergeltung, den der Psalmist gegen seine Feinde anruft, den Gott der Liebe nicht wiederzuerkennen. Jetzt ruft Alldentschland zu dem Gott der Liebe, der auch ist der Gott der Vergeltung, jetzt ist Alldeutschland zu unserer Bibel zurückgekehrt; jetzt versteht man die Gebete, die das bedrängte Volk Israel zu dem richtenden Gott emporgesandt, jetzt erkennen dieselben, die früher der Psalmen sittliche Hoheit verkannt, daß in der ganzen Weltliteratur dieses Liederbuch in seiner Schönheit und Wahrhaftigkeit einzigartig dasteht. Die Zeit leiert uns die Bibel ven.ehen. Vor der Kriegserklärung schrieb das einflußreichste französische Blatt: „Die Deutschen fürchten Gott und sonst nichts aus der Welt, wir Franzosen sind ihnen überlegen, wir fürchten auch Gort nicht/' Diese wankelinütige Ration zittert jetzt in ihrer Angst vor Gott, doch das alte Testament lehrt, Gott sieht ins Herz, er ist von unendlicher Liebe erfüllt, aber um der Gerechtigkeit willen ist er auch ein Gott der Vergeltung. Der russische Kaiser ruft zu dem Gott des russischen Volkes, aber das alte Testament lehrt, daß GoN das unschuldig vergossene Bin! nicht ungesühnl lag!, und mii solchem Blute ist das russische Volk befleckt. Der beutegierige Engländer betet auch zu Gott, doch T>as alte Testament lehrt: „Wer der Wahrheit nicht Treue hält, darf nicht beten, sein Gebet ist ein Greuel." Deutschland, das viel verleumdete Volk, weiß, daß Gott in feine Seele schaut und das gerechte Volk in Gnaden zum Siege führen wird. Wir als deutsche Juden wissen, daß unsere kriegerische Begeisterung tief religiös ist; als Deutsche und als Juden beten wir mit unserer Bibel: „Erhebe Dich Richter der Welt, übe Vergeltung an den Aebermütigen." — Heute zünden wir das Licht der Weihe an, wir preisen Gott, der uns durch seine Gebote geheiligt; wir beten, daß, wie einst in früheren Zeiten, so auch jetzt in den schweren Kämpfen die schützende Gnade der gerechten Vorsehung aus uns ruhen und unsre Feinde vernichten möge. Wenn der Krieg vorüber sein wird, dann wollen wir Hallelujahs anstimmen und niemals vergessen, daß der alte Gott Israels der gerechte Gott ist, zu dem wir in schweren Zeiten gebetet haben, und auch in frohen Zeiten wieder beten wollen. Das sei de? Segen, den die innere Mission unserer Zeit an uns ausübt für alle Zeiten.

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