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Im deutschen Reich · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. 56

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Article
Innere Mission
Date
1915-03-01
Page
56 (sequence 8)
Language
German
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56 Fm deutschen Reich. Jünglinge dahingerafft werden, nicht restlos gelöst werden; für uns ist das Ginzelgrab eines unschuldigen Kindes dasselbe Geheimnis wie -as Massengrab von edlen Kämpfern; gewiß müssen wir Zuflucht nehmen zu der religiösen, biblischen Auffassung des Schicksalsproblems, daß wir endlichen Wesen den unerforschlichen Gott nicht ganz'begreifen können. Dunkel sind bi€ Wege Gottes, wenn sein Walten im Sturmeswehen der Völkerkriege sich kundtut, .klar aber ist die Lehre des Judentums über Die heilige des Krieges Bewertung. Unsere heilige Schrift ist das Buch, des Friedens und in dem wir Frieden finden; für sie klingt der höchste Segen des Kampfes. Frieden aus, sie beginnt mit dem Frieden des Paradieses und schließt mit dem Frieden des messianischen Zeitalters. Unser Schrifttum nennt Gott den Frieden und mahnt uns, in den Pfaden des Friedens zu wandeln. Aber dasselbe heilige Schrifttum kennt der Menschen und Völker Natur, ihre Triebe und Leidenschaften und weiß, wie feindliche Gewalten oft schuldlose Völler überfallen. Unsere .heilige Schrift preist Gott als den erbarmungsreichen, gnädigen, vergebenden Gott, sie kennt aber auch den Gott der Gerechtigkeit, der den Schuldigen heimsucht, sie läßt Moses nachder Vernichtung des Pharao von dem Gott der Kriege und der Siege singen. Unsere Bibel schildert Israel als das Voll, das seine Heimat sich erkämpsen und sich gegen Feinde in blutigen Schlachten wehren mußte; sie steht auf dem Boden der Wirklichkeit, und will diese nur verklären und veredeln. Abraham, der Friedensfürst, kämpfte, um Lot Treue zu halten; Moses kämpfte, um sein Voll zu retten. Zur Zeit Samuels begleitete die Bun- Leslade unsere Ahnen, als sie vor den Philistern sich wehren mußten; Davids starke Hand, die der Leier die wundersamsten Lieder entlockte, erschlug den Goliath, der sein Volk DcrGot! der Liebe höhnte. Unsere Propheten waren die herrlichsten Feldprediger, die ^e Schwachen ermutigten und den ruchlosen Feinden Vernichtung voraussagten; unsere Psalmen benedeien den allgütigen Gottder sich der Menschen erbarmt; dieselben Psalmen verehren in demselben Gott die Allmacht, die im Strafgericht gegen die Ungerechten „den Zorn ausschüttet". Der grundlose Unsere Lehre weiß zu unterscheiden zwischen Krieg und ^Äb'-ecle!'^ Sie hält den einen, der ruchlos angezettelt wird, für ein furchtbares Verbrechen, sie hält den anderen, der zum Schutze der höchsten Güter geführt wird, für eine heilige Pflicht. Jakob, der fromme Aeltenbewohner, kämpfte einen sittlichen Kamps und wird daher Israel, der GoLteskämpser, genannt; Esau „lebt aus seinem Schwerte", er ist der Hassende und wird daher als das böse Prinzip verurteilt. — Unsere Lehre verkündet die - Freiheit des Willens; wenn Menschen ruchlos den Krieg heraufbeschwören, sind sie für ihn verantwortlich? und nicht die göttliche Vorsehung.

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