Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 55 (sequence 7)
- Language
- German
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Innere Mission. 55 ker als das Ergebnis allen Denkens wirkt auf uns ba§ Erlebnis unserer Seele; jetzt kann auch der GottenLsremdeLe nicht ohne Gott fertig werden; in Zeiten der Gefahr weist der Zweifler den Begriff des blinden Zufalls in das Schattenreich des Nichts zurüch und im Vertrauen auf die gerecht waltende Vorsehung findet er Ruhe und Kraft. Doch wo ist die Brücke zu finden, die den Glauben an Religiöses Gefühl den Gott der Liebe mit dem Haß des Krieges verbindet? Ver- 1111 trägt sich religiöses Fühlen mit kriegerischen Empfindungen? Gewiß, auch das mildeste Gemüt betet jetzt zum himmlischen Vater, daß er die Pläne der Feinde zu Boden werfen möge. Es ist lehrreich, sich in die neueste Literatur zu versenken, die sich bemüht, diesen Zwiespalt zu lösen. In der Schweiz,, im neutralen Lande, erklären die ,,religiösen Sozialen" den Krieg an sich als ein Attentat auf Gott selbst und verurteilen ihn auf das schärfste; sie unterscheiden nicht zwischen, dem Volke, das den Krieg gewollt und dieses Attentat gegen Gott begangen hat, und dem Volke, das den Frieden gewollt und zum Kampfe gezwungen worden ist. Andere sehen in unserem Kriege ein furchtbares Gottesgericht, das die verderbte Welt züchtigen und bessern will. Auch wir erkennen in dem furchtbaren Krieg ein mahnendes Gottesgericht, aber diese Erklärung bedarf einer Ergänzung, sie allein beruhigt nicht das Volk, das überfallen worden ist und den Krieg nicht verschuldet hat. Wir wollen jetzt keine Kritik an der Methode anlegen, die hohe christliche Würdenträger anwenden, um die Kriegsbegeisterung mit den Lehren des Evangeliums in Einklang zu bringen. Die Ansichten einzelner mögen nur erwähnt DaZ Christentum werden. Der Krieg, so meint ein Vertreter des Christentums, ist MnJ> *er *mcs* an sich ein Hebel, aber aus weisen Gründen von der Vorsehung zugelassen, um etwas Größeres zu bezwecken. Gott hält es für besser, aus Bösem Gutes zu gestalten, als nicht Gutes und nicht Böses zu schaffen. Ein anderer Apologet Witt die Lehren des Evangeliums, daß der Mensch auf sein Recht verzichten, seinen Feind lieben, den Fluchenden segnen soll, nur auf das Verhältnis vom Einzelmenschen zum Einzelmenschen und nicht aus das von Volt zu Volk angewendet wissen. Ein anderer meint, daß „der äußere Mensch und seine Ordnungen außerhalb des Evangeliums stehen", und dieses daher mit der Frage des Krieges nichts zu tun habe. So wollen verehrungswürdige Vertreter des Christentums in unserer Zeit sich zurechtfinden. Wir als denkend gläubige Juden, denen das alte Testament als Richtschnur gilt, erheben auch die Frage, wie wir unseren Gottesglauben mit unserer Kriegsbegeisterung hard^KUeg. monisch vereinen können. Gewiß kann die Frage, warum dem Verderben Raum gegeben bst und Tausende der kraftvollsteil