Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 52 (sequence 4)
- Language
- German
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5Z Fm deutschen Reich, Der ^imi l'dCcii- Der Stint Sterbens Wie ein wirrer Ton aus versunkenen und verklungenen Welten erscheint uns jetzt diese wahnwitzige Lehre. Wir verstehen sie einfach nicht mehr. Von neuem erkennen wir den Ewigkeitswert der alten Tafeln, in die die Lehren von der gottgewollten Verleugnung des eigenen Ich und der gottgewollten Hingebung an das andere Ich und an die Gesamtheit eingegraben sind. Wir finden es jetzt für weise, ja für selbstverständlich, daß der Staat den einzelnen zwingt, der Allgemeinheit zu dienen; dir Kriegsforderungen, die in das wirtschaftliche Leben des einzelnen tief eingreifen und uns Entsagung auferlegen, begrüßen wir mit ganzer Seele; das Sollen wird ein Wollen; es ist für uns ein beseligendes Gefühl, auf dem Altäre des Vaterlandes Opfer darzuöringen, und diese Opfer sind „Gott ein Wohlgefallen". Die reine Vernunft möge weiter darüber Nachdenken, was der Sinn des Lebens ist; die praktische Vernunft ruft uns jetzt zu: „Leben heißt für andere leben." DC5: Seitdem es Leiden gibt—und es gibt Leiden, seitdem die ersten Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden —, bemühte sich der denkende Geist, den Sinn der Leiden zu begreifen. Gelang es nicht, die Leiden zu .erklären, dann wurde Weltschmerz und Lebensverneinung gepredigt und das Walten einer erbarmungsreichen Vorsehung in Zweifel gezogen. Wie oft hat zur Zeit des Friedens, da wir uns dieses beglückenden Zustandes garnicht bewußt waren, die Lehre des Weltschmerzes das deutsche Gemüt verdüstert; man verstand nicht die Bedeutung des Schmerzes, man zweifelte und .verzweifelte oft. Die Zeit des gewaltigen Ringens, in dem Rot und Tod uns umgibt, hat uns nun auch den Sinn .des Leidens verstehen gelehrt; jetzt, wo wir so viele Leiden mitansehen müssen, fangen wir an, ihr innerstes Wesen zu ergründen. Die Wunden, die der Krieg geschlagen, haben einen Zweck; das Blut, das geflossen, ist nicht umsonst geflossen. Für das Vaterland floß das Blut, für das Vaterland wurden die Wunden geschlagen. „Leiden heißt für andere leiden." Wenn wir in das Antlitz der ihrer heldenhaften Söhne beraubten Eltern schauen, wenn wir an die Witwen denken, deren Gatten in den Massengräbern ruhen, wenn wir die Verwundeten sehen, die als Krüppel umhergehen, dann sind wir gebeugt, wir beißen die Lippen zusammen, um nicht das schmerzliche Empfinden allzu laut zum Ausdruck zu bringen, wir richten .uns aber wieder auf, fangen an das Leiden zu verstehen. Der einzelne leidet für sein Volk, sein Schicksal hat einen Zweck, einen hohen und heiligen. des Auch für das Sterben, das Geheimnis aller Geheimnisse, hat unsere todesmutige Zeit einen Sinn gefunden. Wenn der Todesengel sonst junge Menschen dem Leben entreißt, dann bleibt das Sterben für uns endliche Menschen ein unlösbares Geheimnis. — Das Sterben aus dem Schlachtfelde aber