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Im deutschen Reich · 1915-03-01 · Heft 3-4 (März 1915) · p. 51

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 3-4 (März 1915)
Article
Innere Mission
Date
1915-03-01
Page
51 (sequence 3)
Language
German
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Innere Mission. 51 es jetzt erhoffen —. Nicht ist die Weltgeschichte einem unfruchtbaren Schriftsteller zu vergleichen, der dieselben Gedanken mit denselben Worten immer wiederholt; aber ihre Annalen verkünden Lwigkeitsideen, die trotz aller Verschiedenheit der Zeitverhältnifse zu demselben gottgewollten Ziele führen. Mehr als zwei Jahrtausende trennen uns von den Makkabäern; die Zeit ist wieder gekommen, in der wir diesen Helden ganz nachempfunden können. Zur Erinnerung an all das Große, das von dem Makkabäergeschlecht errungen ward, zünden wir in dieser Woche die Weihelichter an; heute, am Vorabend des fünften Festtages, leuchten uns fünf Lichter entgegen. Wir wollen den Zufall zur Absicht erheben; die fünf großen Gedanken, die aus „jenen Tagen in unsere Zeit" hineinleuchten, mögen uns den rechten Weg weisen. I. Seitdem die Menschen denken, fragen sie nach dem Sinn Der Krieg undes Lebens, und jede Weltanschauung will auf diese Frage L Gebens, eine Antwort geben. Die Geschichte der Philosophie versucht, verschiedene Lösungen für dieses Problem dem Menschengeiste darzubieten. Beweiskräftiger als alle Theorie ist dir Erfahrung, die da ist „eine Königin der Erkenntnis"; was wir jetzt erfahren haben, lehrt laut und vernehmlich: „Leben heißt für andere leben!" Wer jetzt auch nur einen Hauch der Weltgeschichte an sich verspürt, hat erfahren, daß das Leben nur dann einen Sinn hat, wenn es der vaterländischen Gesamtheit geweiht ist. Wer jetzt nicht erkannt hat, daß der einzelne nur durch Hingebung an das große Ganze seine Bedeutung erhält, der verdient nicht, Zeuge der großen Zeit zu sein. Von der Stunde ab, in der uns der Krieg ausgezwungen ward, sind wir andere Menschen geworden, seelisch neugeboren. Der Krieg war der große Erzieher, der uns veredelt hat. Der Staub des Egoismus ist durch den Sturm der Begeisterung wie weggesegt. „Du bist ich, ich bin du", dieses Wort edler Weisheit rst in die Tat umgesetzt. „Sich auslebeu", dieses Wort der genießenden Leidenschaft ist aus unserem Sprachschatz gelöscht. „Jenseits von Gut und Böse", dieses Wort der verlockenden Willkür wird nicht mehr mißbraucht. „Die Vielen, die allzu Vielen", dieses den Wert des einzelnen überschätzende, den , der Gesamtheit unterschätzende Wort muß jetzt verstummen vor den „vielen, niemals allzu vielen" todesmutigen Helden. Deutschland spricht jetzt eine heilige Sprache, die das Gute vom Bösen, den Eigennutz von der Opferfreudigkeit scharf trennt. Mit frivoler Verwegenheit wagte man zu behaupten, daß die alten Gesetzestafeln zertrümmert sind und der alte Gott der Nächstenliebe rot ist; brutale Konsequenzen sollten aus dieser Irrlehre gezogen werden.

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