Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1915)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1915-03-01
- Page
- 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 Im deutschen Reich. Vaterland es stellen; auch sie wollen als soziale oder intellektnelle Kriegsfreiwillige mithelsen. Von diesen Empfindungen getragen, haben wir, die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, uns heute versammelt, und die stattliche Anzahl der Erschienenen legt Zeugnis ab, daß unser Verein die große Zeit versteht, die auch uns deutschen Juden vieles zu sagen hat. Die Kriegsvorträge sind rechte Worte zur rechten Zeit: ein Echo hallt in den Schützengräben wieder. Der berufene Vertreter des Eentralvereins hat der Tiefe der deutschen Seele und des jüdischen Herzens Worte und Gedanken entlockt, die wir sobald nicht vergessen werden. Nachdem der Politiker gesprochen, lassen Sie mich, den Theologen, zu Worte kommen, der darlegen will, in welchem Verhältnis die weltbewegenden Ideen unserer gewaltigen Zeit zu den ewigen Wahrheiten des Judentums stehen. Der Herr Vorredner hat einzelnen Stellen seiner geistvollen Ausführungen auch eine religiöse Weihe verliehen; gerade diese haben uns tief ergriffen, denn der Kamps gilt sittlichen Ideen- und sittliche Ideen find Religion. Ich, der Theologe, werde meine Darlegungen zuweilen vom politischen Gesichtspunkte aus beleuchten müssen/ denn die Weltgeschichte ist das Gottesgericht; die Kanzel wird zum Katheder, und das Katheder wird zur Kanzel; im Gotteshause lehren unsere Priester, daß der Sieg unseren Waffen von Rechts wegen gebührt; in den politischen Versammlungen wiederum stärken uns unsere Volksredner und Staatsmänner mit der festen Zuversicht auf ruhmreichen Erfolg, und -dies begründen sie nicht nur mit der Kraft des deutschen Schwertes, sondern auch mit dem Triumph der göttlichen Gerechtigkeit. Wir wollen im Lichte des Judentums unsere Zeit betrachten und hören, welche Lehren wir aus der kriegerischen Gegenwart als Ewigkeitswerte in die Zukunft hinübernehmen sollen, damit das Unedle, das der Sturm des Krieges 'mit elementarer Gewalt vernichtet, nicht wiederkehre, und das Edle, das unsere Volksseele jetzt in sich ausgenommen, alle Zeiten überdaure. Wir haben uns in der Zeit des Friedens für den Krieg gerüstet, in der Zeit des Krieges wollen wir uns für den Frieden rüsten. Der heutige Abend des Makkabäerfestes zeigt uns, wie wir am besten unserer Ausgabe gerecht werden können. Wieviel Ähnlichkeit hat unsere große Zeit mit der klassischen Periode der Makkabäerkämpse! „In jenen Tagen" wollten unsere friedlichen Ahnen in ihrer Heimat die erbgesessenen Ideale friedlich pflegen, ohne ein anderes Volk auch nur im geringsten zu beunruhigen; die ruchlosen Feinde duldeten es nicht — ganz wie jetzt —. „In jenen Tagen" mußten wenige gegen viele in den Kamps ziehen — ganz wie jetzt —. „In jenen Tagen" siegte das Recht über Pas Unrecht — ganz wie wir