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Im deutschen Reich · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. 26

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Article
Theodor Gottlieb von Hippel als Vorkämpfer der Juden-Emanzipation
Date
1915-01-01
Page
26 (sequence 3)
Language
German
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26 Fm deutschen Reich- Tapferkeit und Schneidigkeit nusgezeichnet) Offiziere, selbst bei der Kavallerie, geworden seien und Kreuze und Orden erhalten hätten. Erhebende Worte knüpft er an diese Tatsache, die seine hochherzige Gesinnung aufs wirksamste bekunden: „Es gibt keine Israeliten, keine jüdischen Staatsbürger, keine preußischen Juden'', sagt er, „sondern nur Preußen als Bestandteil des preußischen Volkes, jüdische Preußen, Physiker, Aerzte, Professoren, Bankiers, Schneider, Silber- und Eisenschmiede usw. jüdischen Glaubens oder Juden schlechtweg, wenn von ihrer Religion ün Gegensatz von christlichen Preußen, von Mohammedanern, von Heiden usw. die Rede ist. Denn Hebräer und Israeliten waren sie nur bis zur babylonischen Gefangenschaft. Seit Esras Tempelbau heißen sie Juden dem Glauben nach und als Rachkommen einer sehr ehrenwerten Ration, die mit uns in Gemeinschaft ihrer heiligen Bücher lebt. Ein besonderes Volk sind sie nnn nicht mehr, seit sie preußische Bürger geworden. Ist die preußische Gesetzgebung endlich für alle gleich, umschlingt alle das gemeinsame Band der preußisch-deutschen Rationalität, so tritt kein Grund mehr entgegen, nach 30jährigem Fegefeuer oder überstandener Feuerprobe, wofür allein schon die Feldzüge von 1813—15 zu rechnen, die Verheißung des § 8, der den Juden die akademische Anstellung in Lehr-, Schul- und Kommunalämtern zusichert, und des § 9 des Edikts von 1812, der eine Bestimmung über den Eintritt in Staatsämter verspricht, in Erfüllung zu bringen." Es ist in hohem Grade bemerkenswert und gerade jetzt sehr bedeutsam, daß schon im Jahre 1842 der damalige Bromberger Regierungspräsident mit Nachdruck für die Juden volle Gleichberechtigung und Zulassung auchzu den Offiziersftellen verlangt. „Der Soldatenstand", so sagt er, „hat in Preußen erst einen einzigen Juden, Lehrer der ArtillerieschuleP, zum Offizier befördert und sogar mit einem Orden geziert. Daß es ihnen an Mut nicht fehlt, haben ihre ersten Verteidigungskriege in Kanaan, ihre Makkabäer, ihre Verteidigung Jerusalems gegen Titus und ihre tollkühne Rebellion gegen die Römer, das kriegerischste Volk der alten Welt, bewiesen. Ebenso läßt sich auf die neueste Zeit unter Napoleon und aus unsere jüdischen Freiwilligen in den Jahren 1813—15 verweisen. Rur Vorurteil kann sie also vom Offizierstande ausschließen wollen, gegen den ihre Religion kein Hindernis ist. lieber Vorurteile aber zu siegen, ist der Berus eines weisen Königs*) **), dem ohne Unterschied der Religion und des Standes jeder Untertan gleich wert sein muß, der Gott fürchtet und seine Gebote hält oder mit anderen Worten ein treuer Untertan ist." *) Gemeint ist bekünntlich Major Mono Burg. **) Friedrich Wilhelm IV. von Preußen.

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