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Im deutschen Reich · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. 25

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Article
Theodor Gottlieb von Hippel als Vorkämpfer der Juden-Emanzipation
Date
1915-01-01
Page
25 (sequence 2)
Language
German
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Theodor GoLLlieö von Hippel als Vorkämpfer usw. 25 Mitmenschen zn erheben. Er tat dies namentlich in einer im Jahre 1842, also ein Jahr vor seinem Tode, erschienenen Denk-- schrift unter dem Titel „Vorwärts oder rückwärts in der Juden- Emanzipation?" In wärmster Weise nimmt er darin Partei für die Verbesserung der bürgerlichen Lage der Israeliten, von seinem staatsmannischen Geist, seiner edlen, menschenfreundlichen Denkweise und seinem hohen Gerechtigkeitssinn Zeugnis ablegend. Was er vor mehr als siebzig Jahren forderte, ist seitdem wenigstens dem Gesetz nach in Erfüllung gegangen, aber leider noch nicht zur vollen Wirklichkeit geworden. Er hebt in seiner Denkschrift hervor, daß die geistige Ent-- Wicklung der Juden ihre bürgerlichen Fortschritte überflügelt habe. Völker und Gesetzgeber, denen das Blüchersche „Vorwärts" als Losung gegolten, haben der Entwicklung der Juden kein Hindernis in den Weg gelegt, sie haben im Gegenteil die bestehenden wegräumen helfen. Die Lernbegierde der Israeliten in Deutschland, der Trieb zur Wissenschaft, sei in hohem Grabe anerkennenswert. Bei dem ganzen jüngeren Geschlecht, das seit 1812 die christliche Schule besuche, sei der früher so oft verspottete ausgeprägte jüdische Dialekt, Anstand, Gang usw. bereits verschwunden, nur dort sei er noch kenntlich, wo die jüdische Jugend in rein konfessionellen Schulen gebildet worden, weil deren Lehrer, und seien sie noch so geschickt, nie anders als in alter Weise und in alter Form zu erziehen vermöchten. Schars polemisiert Hippel gegen den Vorwurf, daß die Juden Abneigung gegen schwere Arbeit hätten. Er sagt wörtlich: „Die sich forterbend-e Schwächlichkeit ganzer Geschlechter, die nur langsam erstarken und zu schwerer Arbeit fähig werden können, läßt sich aus der früheren Lebensweise der ärmeren Juden, ihrem elenden Erwerb, der knappen Nahrung, der ungesunden Dürftigkeit ihrer Kleidung, ihrer Wohnung, erklären. Westeuropäer lachen über die krummen Beine der Türken und ihren schwerfälligen Gang, seit sie europäisiert wurden, beides Folgen ihrer Lebensweise."' Hippel fordert u. a. Aufhebung des rückschrittlichen Gesetzes vom 1. Juni 1833 in Posen, das die dortigen Juden schlechter als die anderen stelle, obschon sie ihren Glaubensgenossen in den anderen preußischen Provinzen in nichts nachftänden. Rühmend weist er darauf hin, wie in den Befreiungskriegen die Juden, die erst ein Jahr vorher, durch das Edikt vom 11. März 1812, für wehrfähig erklärt worden waren, mit patriotischer Begeisterung zu den Waffen gegriffen hätten und gegen Napoleon ins Feld gezogen seien, und daß sich viele durch

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