Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Article
- Theodor Gottlieb von Hippel als Vorkämpfer der Juden-Emanzipation
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 27 (sequence 4)
- Language
- German
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Theodor Gvttlieö vor? Hippel als Vorkämpfer usw. 27 Wieder kämpfen auf beu Schlachtfeldern gegen Frankreich, De-Lgien, England und Rußland Inden in Reih und Glied mit ihren christlichen Kameraden. Viele wurden bereits wegen ihrer Tapferkeit und ihres Wagemutes mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Dieser Krieg hat alle konfessionellen Unterschiede nnd Vorurteile ganz im Sinne unseres Kaisers Wilhelm II. vernichtet, und so ist zu hoffen, daß auch die Bedenken, die bisher der Beförderung jüdischer Varerlandsverteidiger zu Offizieren im Wege standen, jetzt nicht mehr geltend gemacht werden. Die vollständige und bedingungslose staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden und Christen zu erfüllen, gebieten nach Theodor Gottlieb Hippels Reberzeugnug „Ratur, Vernunft und Staatsklugheit". Lin trefflicher Kenner der Geschichte und zugleich ein seiner Psycholog, führt er den Gedanken aus, daß alle Verfolgungen und Zurücksetzungen nicht imstande seien, das Rad der Weltgeschichte in seinem Lauf zu hemmen. Wenn es weder den Missionaren mit ihren Bekehrungskunststückeu, noch den Gewaltmitteln der Machthaber gelungen sei, wie dies die Geschichte Spaniens und Portugals zeige, die Juden in Christen zu verwandeln, und wenn sich auch Europa davon habe überzeugen müssen, daß die Israeliten gute Bürger der Staaten seien, wo ihre Heimat sei, und nichts anderes verlangen, als unangetastet bei der Religion ihrer Vater zu verharren, müsse ihnen gegenüber ein anderes System angewendet werden. Es müsse genügen, sie zu treuen Untertanen, zu echten Preußen zu machen. „Einem solchen Volkstum, das keine Sonderung zuläßt, folgt dann die Verschmelzung aller Rationalitäten von selbst. Es gibt keinen besseren Lehrmeister als die Zeit. Wer ihr widerstrebt, geht unter oder es geschieht ohne ihn, was geschehen muß."' Welche herrlichen Worte verkündete der Verfasser des „Ausrufes au mein Volk" bereits vor einem Menschenalter, als die Iudenemanzipation noch nicht durchgeführt war und die Israeliten vielfach noch unter harten Ausnahmegesetzen leiden mußten! Wenn sein guter Geist heute von seinen Höhen herabblickte, würde er finden, daß das von ihm Erstrebte gesetzlich voll und ganz in Erfüllung gegangen, unb daß nur die Praxis mit der Theorie nicht gleichen Schritt gehalten hat. Hoffentlich wird das Ergebnis des jetzigen wunderbaren deutschen Befreiungskrieges in dieser Beziehung einen Wandel zum Besseren schassen und auch die letzten Wünsche nach einem erlösenden Völkerfrühling in Erfüllung gehen, lassen.