Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Article
- Der Krieg
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 15 (sequence 14)
- Language
- German
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Der Krieg. 15 nießen, in Rußland errtrechtete und geachtete Knechte sind und daß England, selbst wenn gewillt, nicht stark genug sein wirdsie zu freien Bürgern des russischen Reiches zu machen. Wir haben uns schlüssig gemacht, Herrn Zangwill einer .Antwort nicht zu würdigen, weil wir nicht zweifeln, daß die Wahrheit sich durchsetzen werde, mag sich dieser Krieg nicht bloß als ein Krieg der Kanonen, sondern auch als ein Krieg der Lügen darstellen. Wir zweifeln nicht, daß es auch der gesamten Diplomatie und der Abschneidung der Kabel nicht gelingen wird, die Wahrheit in ihrem Siegesläufe aufzwhalten. Lügen haben nur kurze Beine. Doch da's nur nebenher. Ich sage, daß der Krieg uns das sagt, was er allen Deutschen sagt: Er mahnt zuvörderst zur Einigkeit. Seien wir einig und treu. Möchte der Burgfriede, der jetzt alle Deutsche, ungeachtet ihres Standes und ihrer Konfession, umschließt, auch die Juden unter sich umschlingen, gleichgültig, ob sie liberal oder orthodox, Centralvereinler oder Zionisten sind; möchte er den Krieg überdauern, und wenn, er auch die Verschiedenheit der Auffassungen nicht aus derWelt schaffen wird, doch dahin führen, daß wir unsere Innenkampfe ohne Verbitterung und ohne unnötige Schärfe in der Form führen, wie Brüder ihre Differenzen ausmachen, sachlich, allein mit den Mitteln des Geistes und der Wahrheit, so daß jeder den anderen als Mensch und Bruder schätzt, ihm nicht Ehre und ehrliche Aeberzeugung abspricht. Seien und bleiben wir Idealisten. Stellen wir zurück die Güter, die das Leben vergänglich zieren, und sammeln wir die Güter, die der Rost nicht srist. Seien wir in unserer Lebensführung einfach, in unseren Wünschen bescheiden, in unserem Auftreten zurückhaltend, aber erfüllt von innerem Stolz und Opferfreudigst. Man hört vielfach, daß. Fabrrfanien und Kausleute ohne Unterschied des Ranges und des Glaubens sich die gegenwärtigen Zeitläufte zunutze machen und ungebührliche Gewinne einheimsen. Ich weiß, daß Sie alle mit mir es für verwerflich halten, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern. Benutzen wir Juden insbesondere die Zeit, um dem Vaterland zu zeigen, daß wir zu Opfern bereit und von Eigennutz frei sind. Seien wir Optimisten. Ich habe zu Beginn des Krieges eine seltsame Wandlung der Stimmung erlebt: die einen himmelhoch jauchzend, daß nunmehr alter Antisemitismus beendigt sei, die anderen betrübt, weil sie fürchten, daß, wie nach jedem Kriege, der Chauvinismus sich besonders regen werde. Ich glaube, die Wahrheit liegt in der Mitte. Jahrhundertelange Krankheiten verschwinden nicht mit einem Male, auch nicht nach Krieg und Burgfrieden. Aber ich habe die