Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Article
Der Krieg
Date
1915-01-01
Page
11 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316851-2316852-2349376--25176-2349480
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Krieg. 11 fei, hätte die drei Mächte nur für den Fall deutschen Lin* dranges (!) gebunden. Sein Vorwurf geht also im wesentlichen dahin, daß wir zwar üu Anrecht wären, daß aber unsere Macht nufer Recht sei, und daß wir unser Anrecht nicht hätten eingestehen sollen. Ich glaube, der Ankläger schädigt durch das, was er sagt, unser Vaterland in den Augen der KulturwelL mehr, als der angeklagte Reichskanzler, durch das, was dieser gesagt hat. Hat Belgien mit England und Frankreich für den Fall deutscher Invasion ein Desensivbündnis geschlossen, so hätte es auch mit Deutschland für den Fall französischer oder englischer Invasion Desensivbündnisse schließen müssen, und wenn es das nicht tat, so verletzte es die Neutralität. Der „Kunstfehler", den der Reichskanzler dadurch beging, daß er sich für unser Vorgehen auf Notwehr berief, ist zehntausendmal weniger schlimm, als der Standpunkt seines Anklägers, daß wir zwar im Anrecht seien, aber im Bewußtsein unserer Macht uns nicht zu justifizieren brauchten. Wären wirklich nur Infanterie, Kavallerie und Artillerie, wie er meint, die Beweise unseres Rechts, spräche nichts für uns, als die brutale Gewalt, dann würde ich verzagen, weil ich zur Weltordnung die Zuversicht habe, daß alles, was bloß aus rohe Kraft gestützt, vom Geist der Wahrheit und Gerechtig-- keit nicht durchdrungen ist, untergeht, daß nur die sittlichen, nicht die physischen Kräfte unvergänglich sind, und nur sie die Gewähr des Sieges uns bieten. Ist die Weltgeschichte das Weltgericht, so werden wir nur bestehen, wenn unsere Sache gerecht ist. Ich wurde vor einiger Zeit gefragt, ob ich denn von unserem Recht und von dem Anrecht unserer Gegner so überzeugt sei. Run meine ich zwar, daß man im gegenwärtigen Augenblick die Frage nicht stellen soll, weil wir, auch wenn wir nicht im Recht wären, alles hingeben müßten; denn es handelt sich, nicht bloß um unsere Machtstellung, sondern um unsere Ehre und um unsere Existenz. Aber ich meine auch, daß wir uns nicht zu scheuen brauchten, die Frage zu stellen. Dabei ist natürlich nicht zu fragen, ob wir in jedem einzelnen Punkte schuldlos und rein, ob wir niemals hier und da einen Aebergriss gemacht, ein ruhmrediges Wort geäußert, doch Gegner nicht verletzt haben. Alles das ist nicht entscheidend, sondern es handelt sich um die Frage: Haben wir wie ein friedliches Volk gelebt? And diese Frage können wir mit „ja" beantworten. Mit Recht durste der SMfer in seinem Ausruf an das deutsche Volk von sich sagen: „Seit der Reichsgründung ist es durch 43 Jahre mein und meiner Vorfahren heißes Bemühen gewesen, der Welt den Frieden zu erhalten und im Frieden unsere kraftvolle Entwicklung zu fördern."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.