Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Article
- Der Krieg
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 10 (sequence 9)
- Language
- German
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le Fm deutschen Reich. Meine Damen und Herren t Wären wir nicht von Hause Äus Optimisten, so hätte uns der Stricg dazu machen müssen. Sehen wir doch, wie alle Klügelei der Diplomaten verblaßt vor den großen ethischen Kräften, die ein begeistertes Volk vorwärts treiben. Mit einem Geschick, dem wir unsere Anerkennung nicht versagen dürfen, hat die feindliche Diplomatie es verstanden, uns einzukreisen und zu isolieren, einen Trost von Staaten unter einen Hut zu bringen, die kein anderes Band einte, als der gemeinsame Hast urtb Neid gegen uns. Sa fein ausgeklügelt der Plan war, den Sir Edward Grey in Anlehnung an die Politik feines verstorbenen Königs Eduard VIL. durchführte, so stark die Netze um uns gezogen waren — die einmütige Begeisterung des deutschen Volkes hat sich stärker erwiesen, als alle Diplomatenkünste. Ohne sonderlich von seiner Diplomatie unterstützt zu sein, hat das deutsche Volk die Stricke und Netze zerrissen, die uns einkreisen und vereinsamen sollten. Mit überlegenem Geschick haben unsere Feinde die öffentliche Meinung der Neutralen gegen uns ausgebracht, der Wahrheit durch Abschneidung der Kabeldie Wege verschlossen, so daß ein Schwächerer hätte verzweifeln müssen. Aber mit Erhebung und Genugtuung sahen wir, dast nur die Kräfte vorwärts treiben und schließlich obsiegen, die sittliche Kräfte sind, daß der Siegeslauf der Wahrheit sich, durch keine Machination aus halten läßt, und daß mächtiger als alle Finessen der Diplomatie die Stoßkraft der Begeisterung ist, mit der ein einiges Volk für Freiheit und Ehre eintritt. Man hat dem Reichskanzler einen Vorwurf gemacht, daß er ethische Momente in die Politik hineintrage, und besonders der Herausgeber einer Berliner Wochenschrift wird nicht müde, den Moralbegrisfen unseres Reichskanzlers die eigene Herrenmoral als nachahmenswertes Beispiel vorzuhalten. Dabei wird nur übersehen, daß Einigkeit und Stoßkraft nur aus ethischen Kräften gewonnen werden können, daß Begeisterung, ohne die es nun einmal nicht geht, aus dem Glauben an Recht und Gerechtigkeit beruht und dast alle 42 - Zentimeter - Mörser der ganzen Welt uns nicht zum Siege verhelfen würden, wenn dahinter nicht eine todesmutige Mannschaft stünde, die TodesmuL ans der Begeisterung schöpft. Wenn dem Reichskanzler vorgeworsen wird, er hätte vor der Welt den Völkerrechtsbruch gegenüber Belgien nicht zugestehen sollen, so wäre die Anklage gerechtfertigt, wenn der Ankläger sagen würde, daß wir tatsächlich das Völkerrecht nicht verletzt haben. Aber das sagt er nicht, ja, er vernichtet — zur Schadenfreude und zum Vorteil unserer Feinde — die später ausgefundenen Beweisstücke unseres Rechtes dadurch, daß er der Welt verkündet, sie bezögen sich bloß aus Defensivbündnisse. Die französische, englische, belgische Vereinbarung, deren Spur, so sagt er wörtlich, jetzt ,,erschnüffelt"