Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Article
- Der Krieg
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 7 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316851-2316852-2349376--25172-2349476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Krieg. 7 Kriegsfurie, zeigt sich, ein Friede im Innern, wie wir ihn von der messianifchen Zeit, vom goldenen Zeitalter, nicht von der eisernen Zeit erwarteten und erstrebten. And nun ein Zweites: So wenig ideal der Krieg erscheint, so sehr er ein unerbittlicher, brutaler Machtfakkor ist, so lehrt er uns doch einen hohen Idealismus. Wir werden, auch das klingt paradox, Idealisten. Eine Amwertung aller Werte ist eingetreten, bei der die materiellen Güter leicht befunden werden und auf der Wagschale hoch emporschnellen, während die idealen ein Schwergewicht erhalten, das ihre Wage tief sinken läßt. Wir sind opferwillig geworden für das Ganze. Geld und Geldeswert wird klein in der Hand des einzelnen; der Reiche kann nicht viel mehr ins Feld mitnehmen als der Arme. Während wir uns vor dem Kriege in Wohlleben und Genießen nicht genug tun konnten, ein unersättlicher Luxus in unsere Gesellschaft eindrang und die einfacheren Lebensfreuden verdrängte, streben wir jetzt wieder nach Einfachheit, Natürlichkeit und Sparsamkeit. Wir versagen uns das Aeberflüssige, um von unserem Aeberflutz abzugeben, und berauschen uns an der Seligkeit des Gebens. Die Herzen werden weit und weich; es ist eine Freude am Schenken und an der Liebesgabe, wie sonst nur im Kreise der Familie. Die Familie weitet sich zum Volke; unsere Liebe reicht über die Pfähle des Hauses bis an die Grenzen des Vaterlandes und darüber hinaus, wo im Schützengraben unsere Krieger stehen. Man muß es gesehen haben, wie auch unbegüterte Frauen den durchfahrenden Truppen das Beste ihrer Küche nnb ihrer Gärtchen an die Bahn brachten und ihr Letztes opferwillig hergaben. Aber nicht bloß Geld und Gut, auch das Leben hat seinen Münzwert eingebüßt. Ich weiß, wie wir in den Friedensjahren bangend an den Zeitpunkt dachten, wo die Sohne, herangewachsen, in den Krieg würden ziehen müssen, und nun, wo der gefürchtete Augenblick gekommen, freut es uns, daß, die Jungen vorwärLsstürmen und die Zeit der Ausbildung nicht erwarten können. Wir würden uns nicht voll erscheinen, könnte nacht auch unser Haus an den Blutopfern teilnehmen, die die Nation aus dem Altar des Vaterlandes darbringt. Alles der Elation! And das mit Recht; das Leben des einzelnen ist kürz gemessen; was verschlägt es, ob es eine Spanne Zeit früher oder später erlischt. Ewig aber will und soll die Ration leben. And deshalb hat das Leben einen anderen Sinn bekommen, well jetzt auch, der Kriegstod einen Sinn hat. Das Stirb und Werde, das unser Dichterfürst dem Individuum zuruft, damit es nicht ein trüber Gast auf der dunklen Erde sei, hat jetzt eine Liefere Bedeutung bekommen: