Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1915)
- Article
- Der Krieg
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 6 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316851-2316852-2349376--25171-2349475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 Im deutschen Reich. Reich und Arm verwischen sich mit einem Male. Die Vorrechte des Vermögens und der Bildung treten zurück hinter der Egalisierung, welche die allgemeine Wehrpflicht mit sich bringt. - Vor der Majestät des Massengrabes, sagt Emanuel Sänger, verblassen die Wertunterschiede der Individuen. Die Ration wird demokratisiert. - - Ich renne feine Parteien mehr, konnte der Kaiser sagen; nur Deutsche; hinter uns das ganze Volk. - Wenn ich falle, sagt der Prinz von Meiningen, begrabt mich. nicht in der Fürstengruft, legt mich zu meinen braven Kameraden. . Die gemeinsame Bluttaufe des Schlachtfeldes schasst eine Verbrüderung, die unvergänglich ist; sie kittet die sonst widerstreitenden Teile der Ration fest zusammen. Ein Wunsch, ein Interesse beseligt alle, die Sonderinteressen treten zurück; der Wettbewerb dient nicht mehr dem eigenen Nutzen, sondern es tritt ein Wettbewerb des Gemeinsinns ein. Der gemeinsame Feind hat Millionen Individuen zu einem gemeinsamen Volkswillen vereint. Die Einigung der Ration schafft Frieden im Innern, das 'Unbedeutende schafft keinen Zwiespalt mehr, das Kleine wird klein, und nur das Große gilt; das große Ziel, für Deutschlands Ehre alles einzusetzen. Das Wort des Ministers von Löbell: „Viele Streitfragen des öffentlichen Rechts erscheinen in den gegenwärtigen Zeitläuften unwesentlich", ist uns aus der Seele gesprochen. Mit Erhebung haben wir einen Erlaß des Polizeipräsidenten, gelesen, durch den er ein Verbot gegen sozialdemokratische Maßnahmen mit folgender Begründung zurückgenommen hat. „Nachdem der gegenwärtige Krieg das deutsche Volk wie kaum je zuvor zu einer einmütigen Erhebung entflammt hat, würde es nicht angemessen. erscheinen, wem: die staatlichen oder kommunalen Behörden minderwichtige Interessen dadurch betonten, daß sie in den gegenwärtigen Zeitläuften unerheblich erscheinende Verwaltungsstreitsachen zu Ende führen. Es ist jetzt von größerem Wert, die Einheit der Ration und ihr großzügiges Streben'ungestört zu lassen, als in unbedeutenden Einzelsachen dem Rechte zum Siege zu verhelfen, oder Gesetzesübertretungen zu ahnden." So sprach unser Polizeipräsident. Seinem Beispiele sind die Parteien, die Zeitungen gefolgt. Eine unserer Gegnerinnen, mit der wir so oft einen harten Strauß ausgefochten, schreibt: „Alle kleinen Gruppen, Religionen und Bekenntnisse unseres Volkes haben ihre Pflicht getan imb müssen ihre Pflicht tun. Wir haben wahrhaftig Größeres, Edleres zu leisten, als uns in alter Weise gegenseitig zu schmähen oder gegeneinander auszurechnen." Das sind Züge, die erhebend sind. Mitten in den Schlachten der Menschen, dem Donner der Kanonen, in dem Wüten der