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Im deutschen Reich · 1915-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1915) · p. 5

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1915)
Article
Der Krieg
Date
1915-01-01
Page
5 (sequence 4)
Language
German
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Der Krieg. 5 Mas wir vor Ausbruch des Krieges verbrannt haben, beten wir jetzt an, und was wir damals angebetet haben, verbrennen wir heute. Werden wir uns klar darüber, ob die Umwertung der Werte, die er herbeigeführt hat, von dauernder nachhaltiger Wirkung sein, oder ob sie vorübergehen und mit seinem Ende zugleich aus unserem Gedankenleben verschwinden wird. Wir waren Kosmopoliten, Weltbürger; wir liebten den Frieden, wir glaubten nicht an den Krieg, wir hielten es nicht sür möglich, daß die Kulturwelt noch in die Schrecken eines Krieges, am allerwenigsten eines Weltkrieges, eintreten würde. Und wir lebten uns in den. Tedanken ein, daß, wenn er doch nicht zu vermeiden sein würde, dann seine Tage kurz gezählt sein würden, weil dir Kriege so blutig und kostspielig sein würden, daß kein Volk der Welt einen längeren Krieg würde bestehen können, ohne in ihm körperlich und wirtschaftlich bald zu verbluten. Wenn man uns von einem Kriege mit zwei Fronten sprach, so lächelten wir in dem überheblichen Bewußtsein, daß das Schreckgespenster seien, die uns die Chauvinisten, die Alldeutschen, die Militaristen vortäuschten, um von uns neue Opfer für Kriegsrüstungen herauszuschlagen. Und nun ist das Unzulängliche Ereignis geworden. Ueber Aacht ist der Krieg gekommen, ein Weltkrieg, so ungeheuer, so grausig, wie wir ihn uns in unseren ausschweifendsten Indianerträumen der Kindheit nicht vorgestellt haben. Und nun ist die Frage: Wie haben wir uns zu ihm gestellt, wie sollen'wir uns in Zukunft zu ihm stellen? Wir können von uns sagen, daß der große Moment kein kleines Geschlecht gefunden hat. Eine Sturmflut der Begeisterung erhob sich so riesengroß, so gewaltig, daß sie jeden mit sich fortriß. Unsere Herzen schlugen laut, und unsere Augen wurden leuchtend. Als ein Feind nach dem anderen wider uns erstand und die Kriegserklärungen kaum noch zu zählen waren, da überkam uns wohl das bedrückende Gefühl, daß unsere Diplomatie versagt habe, aber das Vertrauen in unsere Heeresleitung war unerschütterlich. Alle beseligte die unverwüstliche Hoffnung, wir werden, wir müssen siegen. Noch nie, so hatte unser Kaiser in seinem Aufruf an das deutsche Volk gesagt, war Deutschland überwunden, wenn es einig war. Und einig waren wir. Der Krieg hat uns erst recht geeint. Der Krieg ist, so paradox es klingt, der große Friedensstifter. Er, der furchtbarste Spalter der Völker, ist der größte Einiger der Volksgenossen. Der Krieg nach außen ist der Friede im Innern, die stärkste Kraft der Einigung. Das hat seinen guten Grund. Die eigene Nation tritt der feindlichen' Nation gegenüber als Einheit ans. Die Unterschiede der Klassen und der Stände, von Hoch und Niedrig, von

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