Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / E. B.
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 390 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316841-2316850--25044-2349306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
390 Im deutschen Reich. bayerischen Truppen beim Durchzug mit Etzwaren, Tabak und Wäsche geradezu überschüttet worden sein. So hat Metz, trotzdem man auf der Straße manches französische Wort hört und viele französische Firmenschilder liest, sich doch als gute deutsche Stadt bewährt. Daß. ich auch in den Gemeinden viele ähnliche Beweise des Patriotismus und der Fürsorge für unsere Soldaten sehen konnte, hätte mich doch nicht ganz damit aussöhnen können, daß ich selbst am Feste untätig bleiben mutzte; allein auch hierfür wurde mir ein kleiner Ersatz gewährt, ebenso dem Kollegen Ehone, Konstanz, den ein ähnliches Mißgeschick wie mich auf der Suche nach seinem badischen Armeekorps in Metz festgehalten hatte. Ein ungewohntes Bild bot der Festgottesdienst. Wenn jemand über dem Ernst des Festes den Ernst der Zeit hätte vergessen können — die große Zahl der Soldaten hätte ihn an das blutige Ringen draußen erinnert. Mindestens 200 Soldaten aller Waffengattungen waren hier zum Gebet versammelt. Vom jüngsten Rekruten bis zum bärtigen Landwehrmann, teils Neueingekleidete, teils Verwundete, teils solche, denen man die Strapazen langer Märsche und der Schützengräben ansah. Wahrhaft herzerfreuend und erhebend aber war es, wie ani Schluffe des Gottesdienstes jeder, aber auch jeder Soldat, eine Einladung zum Essen erhielt. Einzelne Gemeindemitglieder hatten es sich nicht nehmen lassen, eine größere Anzahl von Soldaten einzuladen, so daß kein Soldat wegging, dem nicht Gelegenheit geboten war, den Festabend in einem Hause zu verbringen. Dieser so schöne Beweis von 'Gastfreundschaft wiederholte sich mit gleich herzlicher Selbstverständlichkeit am ersten wie am zweiten Tage; ich hörte es von mehreren Soldaten, wie dankbar sie anerkannten, daß ihnen in dieser schweren Zeit ein Ersatz für das Familienhaus geboten wurde. Die Metzer Gemeinde hat sich hierdurch ein Recht auf die Dankbarkeit auch der Angehörigen ihrer Gäste erworben, denn sie können das Bewußtsein haben, daß ihre Lieben zwar fern der Heimat, doch auch von Fürsorge und Festtagsstimmung umgeben waren. Einen anderen Beweis der Fürsorge, den die Metzer II. O. B. B.-Loge (Lothringer Loge) auch im Frieden/den Soldaten ihrer Garnison angedeihen läßt, konnten wir am zweiten Festtage beobachten. Am Vormittag hatte Kollege Ehone auf Einladung des Herrn Oberrabbiners Dr. Netter, unter Zustimmung der Gemeindevertretung, die Kanzel bestiegen und als Feldrabbiner insbesondere an die wieder zahlreich versammelten .Kameraden zündende Worte gerichtet. Am Nach»