Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Krieg und Centralverein
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 371 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Krieg und Centralverein. 371 Judentums, und gar im „Hammer" des Herrn Theodor Fritsch wurde der Gedanke an einen Burgfrieden den Juden gegenüber als eine törichte Phantasie bezeichnet. Diese Dinge formte der Centralverein nicht hinnehmen. Gr, dem der Frieden i m Innern stets als ein Ideal seiner Tätigkeit erschienen war und der gerade in diesen Zeiten meinte, alle Volksgenossen müßten von dem gleichen Wunsche erfüllt sein, mußte sich sagen, daß jetzt alles getan werden müsse, um den im Kreise weiter Be völkerungsschichten gesäten Haß unwirksam zu machen. Man vergesse nicht: Hunderte von Exemplaren dieser Blätter, insbesondere des „Hammer", sind erwiesenermaßen Feldzugsteilnehmern uachgesandt worden. So wird da, wo treue Kameradschaft den einen mit dem andern verbindet und wo der gemeinsame und alle allein beherrschende Gedanke an Ruhm und Ehre des Vaterlandes die einzelnen miteinander verknüpfen soll, Mißtrauen gesät. And wenn wir lesen mußten, daß Juden Neigung zur Spionage vorgeworfen wurde, wenn wir erfahren mußten, daß unter solcher Beschuldigung in Ostpreußen eine Beihe jüdischer Deutscher von der erregten Bevölkerung belästigt worden ist, so war Einschreiten ein Gebot einfachster Pflichterfüllung. Daß die „Staatsbürger-Zeitung" ihren antisemitischen Charakter abgelegt hat, ist bekannt. Die „Deutsch-Sozialen Blätter" sind in der Sprache etwas zurückhaltender geworden, und nur noch der „Hammer" treibt in alter Weise sein Anwesen weiter. Aber auch in diesem Falle werden sich wohl die zuständigen sächsischen Behörden von der Notwendigkeit überzeugen, Abhilfsmaßnahmen zu ergreifen. Sie werden nicht zugeben können, daß unsere im Felde für die Ehre des deutschen Namens kämpfenden und blutenden jüdischen Brüder fortgesetzt als Fremdlinge und Feiglinge bezeichnet werden. Ansere Freunde, die im Felde stehen, berichten, daß restlos die Juden von ihren Vorgesetzten gerecht behandelt werden. And wenn auch hie und da über eine feindselige Aeußerung geklagt wird, wenn Bemerkungen, wie ,,Seid nicht so feige wie die Juden" und ähnliche ganz vereinzelt fallen, so ist das bedauerlich, kann aber als Aeberbleibsel des Zeitgeistes, der vor dem Kriege herrschte, entschuldigt werden. Schlimmer ist es schon, wenn wir in den Schulen in nicht ganz vereinzelten Fällen über Iudengegnerschaft zu klagen haben. Wenn wir hören, daß in einem Berliner Gymnasium ein Lehrer sich über jüdische Schüler äußerte, „das ist das schlimmer wie Hefepilze wirkende, jeden Staat zersetzende, vaterlandslose, perfide Judentum", so kann ein solches Vorkommnis natürlich nicht genug gebrandmarkt werden. In der Oeffentlichkeit ist darüber geklagt worden, daß auch in dieser Zeit nody jüdische Lehrerinnen von der Anstellung