Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1914)
- Article
- Krieg und Centralverein
- Date
- 1914-10-01
- Page
- 370 (sequence 1)
- Language
- German
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370 Sin deutschen. Reich, Krieg und Centralverein. Als der Krieg zwischen dem Deutschen Reiche und seinen Feinden ausgebrochen war, erhob sich unter den deutschen Juden begeisterter Jubel. Für Deutschlands Macht und Größe zu kämpfen, war ihnen eine heilige Ausgabe, Beseelt von dem Gedanken, daß man jetzt die Richtigkeit aller Verdächtigungen gegen Vaterlandsliebe und Tapferkeit der Juden in klarstem Sinne erweisen könne, eilten Tausende als Kriegsfreiwillige zu den Fahnen. Des Kaisers erhabenes Wort, er kenne jetzt keine Parteien mehr, er kenne nur noch ein deutsches Volk, sollte die Richtschnur unseres gesamten inneren Lebens werden. Ein allgemeiner Burgfriede trat ein, b. h. man wollte alles, was die einzelnen Parteien, Klassen und Religionen voneinander trennte, zurückstellen und nur das Große und Allgemeine gelten lassen, das in dem Gedanken an das Vaterland zum Ausdruck kam Jetzt, wo einige Wochen der Entwicklung der neuen Lage vorüber sind, kann man sagen, daß unsere Behörden das eifrige Bestreben zeigen, allen Schichten der deutschen Bevölkerung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Anden sind auch im preußischen Kontingente zu Reserveoffizieren befördert worden und in zahlreichen Fällen, in denen der Centralverein in den letzten Wochen genötigt gewesen ist, sich mit Wünschen und Eingaben, auch mit Beschwerden, an die Behörden zu wenden, ist ein befriedigender Erfolg erzielt worden. Allerdings läßt sich nicht verkennen, daß diejenigen, die vor dem Ausbruch des Krieges in der Bekämpfung des Judentums eine Hauptaufgabe ihres Lebens gesehen haben, sich nur sehr schwer in die neuen Verhältnisse finden konnten. In einigen Blättern wurden bis in die jüngste Zeit hinein die Juden mit besonderem Hasse verfolgt. Vor etwa zwei Jahren hatte sich in Berlin ein Verband „gegen die Aeberhebung des Judentums" ausgetan, der eine eigene Zeitung „Auf Vorposten" gründete. In dieser Zeitung sind auch noch nach Kriegsausbruch die Juden in der vor dem Feldzuge üblichen Weise behandelt und gekennzeichnet worden. Die „Staatsbürger-Zeitung" brachte ihre alten Artikel im neuen Gewände, Die „Deutsch-Sozialen Blätter" ergingen sich in bitteren Klagen über den zersetzenden Einfluß des wucherischen