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Im deutschen Reich · 1914-09-01 · Heft 9 (September 1914) · p. 355

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 9 (September 1914)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1914-09-01
Page
355 (sequence 6)
Language
German
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Bmjdja it; 355 „Eine Bitte au die Tremoma" abgedruckt, in der von jüdischer Seite Klage darüber geführt wurde, daß das Organ der ZenLrumsparLei in einem patriotischen Artikel sich geäußert habe: „Das Strohseuer der Hurra-Stimmung muß übergehen in eine nachhaltige Herdglut des „christlich-deutschen Pflichtgefühls". Das deutsche Pflichtgefühl umfasse doch alle Religionsgemeinschaften. Gegen diese „Bitte" hat sich sofort nicht nur die „Tremonia", sondern auch die Dortmunder katholische Geistlichkeit gewandt. Dies veranlaßt den dortigen Rabbiner, in der „Dortmunder Zeitung" folgendes zu veröffentlichen: „Der Erklärung der katholischen Herren Pfarrer in Nr. 217 (2. Blatt) der „Tremonia" vom gestrigen Tage schließe ich mich hiermit insofern ausdrücklich an, als es nicht bloß als das Recht und die Pflicht eines katholischen Blattes, sondern als sein Verdienst anerkannt werden muß, wenn es in seinen Lesern das christliche Pflichtgefühl wachruft und sie darin bestärkt, die Weltereignisse im Lichte der Religion zu betrachten. Ich glaube, mit meinen christlichen Freunden darin einig zu sein, daß über alles Irdische hinaus das der höchste Gewinn dieser schweren, aber großen Zeit sein wird, daß sie alles Große und Göttliche, das in den Menschen schlummerte, weckt, sie über sich selbst hinaushebt und wieder näher zu Gott bringt. In einem solchen Appel! darf niemand eine Verletzung sehen. Unverantwortlich aber wäre jedes Beginnen, das durch Zweideutigkeiten und Anzweifelungen oder übertriebene Empfindlichkeit in den herrlichen nationalen Einklang dieser unvergeßlichen Tage einen Mißton bringen könnte. Es gibt dem Vaterlande und den Volksgenossen gegenüber keine Christen und Juden, Gläubige und Ungläubige, sondern nur Deutsche. Gebe Gott, daß die große Zeit auch dieses Bewußtsein zu einem dauernden Besitz werden lasse und uns in voller Wahrheit zu einem Volke mache. Dortmund, den 12. August 1914. Dr. Jacob, Rabbiner." Die „Dortmunder Zeitung" fügte dieser Erklärung die Bemerkung hinzu: „Mit dieser loyalen Erklärung des Rabbiners der Dortmunder jüdischen Gemeinde muß der Fall als erledigt betrachtet werden." Das wird schon der Fall sein, denn die deutschen Juden verstehen sehr gut die Spreu vom Weizen zu sondern und sind fern davon, ein Organ der Zentrumspartei, die oft zum Schutze unserer religiösen Einrichtungen bereit war und unserem jüdischen Pflichtgefühl Beachtung widmete, mit der radikalen Antisemitenpresse auf eine Stufe zu stellen.

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