Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 9 (September 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-09-01
- Page
- 354 (sequence 5)
- Language
- German
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354 Im deutschen Reich. AntisemiLen sich nicht entblöden, ihr trauriges Hetzgeschäft fortzusetzen. Die konservative „Schlesische Zeitung" laßt sich aus Wien über eine ergreifende Szene berichten,, die sich dort kürzlich am Tegethoff-Denkmal abgespielt hat: „Als dort mehrere von einem greisen Militärpfarrer geführte katholische Feldgeistliche einen Augenblick halt machten, ergriff .ein alter Jude in der Tracht der Galizianer die Hand des Wilitärpsarrers, küßte sie und bat dann mit gefalteten Händen und weinend den Geistlichen: „Hochwürden t Auf dem Schlachtfeld, ich bitte Sie tausendmal, nehmen Sie sich auch der jüdischen Soldaten an und spenden Sie ihnen Hoffnung und Trost. Ich habe auch einen Sohn dort!" Der Geistliche war außerordentlich ergriffen und sagte, mit Tränen kämpfend, zu dem alten Juden: „Das verspreche ich Ihnen; nicht nur ich, sondern wir alle hier, die wir ja auch Deutsche und Mchtdeutsche sind. Aber es gibt fetzt nur Oesterreicher, weder Iud' noch Christ, weder Deutsche noch.Böhmen. Es gibt nur Oesterreicher und Menschen." Dann wandte er sich an seine Kollegen und an die Menge ringsum, und rief: .„Hoch Oesterreich!" And während die Amstehenden einstimmten, intonierten die Geistlichen wiederum, alle in deutscher Sprache, das „Gott erhalte!" — Das ist der Geist unseres deutschen Kaisers, dessen Ausspruch: „Ich kenne nur Deutsche", weithin Widerhall findet. .Der Kaiser-Ausspruch hat bewirkt, daß sechs jüdische Geistliche hinausziehen, denen vom Kriegsmini st erium als Feldgei ft li che jede Förderung zugesagt wurde. Der in München erscheinende „Bayerische Kurier" hat bereits auf die Mitteilung der „Deutsch-Israelitischen Zeitung" in Regensburg verwiesen: „Rabbiner, die in einem der drei bayerischen Armeekorps als F e l d r a b b i n e r jetzt wirken wollen, sei es, daß sie eingezogen sind, sei es, daß sie freiwillig der Seelsorge im Kriege sich widmen wollen, mögen sich sofort unter Angabe der Dienstverhältnisse bei dem Kgl. Bayerischen Staats- Ministerium des Innern für Kirchen- und Schulaugelegenheiten melden." Aus allen angesehenen deutschen politischen Organen ist im Bewußtsein des Ernstes der Stunde der Parteihader nahezu;ganz verschwunden; nur noch die fast unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden radikal-antisemitischen Blätter trüben durch Verunglimpfungen der jüdischen Mitbürger das herrliche Bild der deutschen Eintracht. Trotzdem müssen deutsche Juden sich hüten, irgendeine Aeberempfindlichkeit zum Ausdruck zu bringen, die leicht den Eindruck der Tatsache verwischen könnte, daß für uns in der Zeit der Gefahr des Vaterlandes nur das Bedeutung hat, was alle Deutschen einen muß. Zwei Dortmunder Blätter hatten am 7. und 8. August