Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 9 (September 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-09-01
- Page
- 356 (sequence 7)
- Language
- German
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356 Fm deutschen Reiche Wir hoffen sogar, daß das Zentrum durch das unpatriotische Verhalten der radikalen Antisemiten sich künftig noch mehr als bisher von solchen Politikern absondern werde, die ihre judenfeindliche Wühlerei selbst in der Zeit fortsetzen, in der Deutschland mehr'als je zuvor „der Zusammenfassung aller im deutschen Volke vorhandenen sittlichen und geistigen Kräfte bedürfe." Was in dieser Zeit Blätter wie die „SLaatsbürger-Ztg.", die „Wahrheit", die „Deutsch-sozialen Blätter", der „Hanseat" und die „Deutsche Wacht" an Aufreizungen gegen die Juden geleistet haben, ist so haarsträubend, daß es nur Ekel erregen würde, wenn man es ausführlich erwähnen wollte. Es ganz zu verschweigen, es mit Verachtung zu übergehen, ist aber deshalb nicht rätlich, weil die äußeren Feinde des bis auf diese bedauerlichen Ausnahmen fest geeinten Deutschen Reiches aus diesem Kehricht durch Konstruierung einer angeblichen Möglichkeit inneren Zwiespalts Kapital schlagen können. Die „Deutsch-sozialen Blätter" haben in dieser Richtung unter der Aeberschrift „Schnitzel zur Fudenkunde" u. a. folgendes geleistet: Die in Hamburg erfolgte Verhaftung eines Mannes namens Iszberner, der früher beim Seebataillon gedient hat, dessen Konfession aber gar nicht feststeht, wurde durch das Antisemitenblatt zur „Wehrpflichtentziehung eines Juden" gestempelt, die. Verabschiedung eines preußischen Landwehrleutnants gemeldet, ohne dessen längere schwere Krankheit anzugeben, weil er jüdischer Abstammung ist. Anter der Spitzmarke „Juden als Spione" wärmte das Blatt eine von dem Feldmarschall Graf Moltke energisch widerrufene Aeußerung aus einem seiner Iugendwerke wieder auf und knüpfte daran Bemerkungen über jetzige polizeiliche Absuchungen russischer Absteigequartiere, die meistens rituellen Charakters seien^ aber bei der bekannten politischen Stellung der jüdischen Russen, russische Spione sicherlich nicht beherbergen. Ein Artikel der „Deutschen Wacht" über „Die Juden in Polen", in dem u. a. der Ansinn verzapft ist, die russischen Machthaber hätten beabsichtigt, aus ihrem polnischen Besitz ein riesiges Ghetto zu machen, schlägt in dieselbe Kerbe. Die „Staatsbürger-Ztg." bildet nur noch, nachdem die Beschimpfung der Juden ihr wenigstens noch einen kleinen Stamm von Lesern sichert, die keinen Anrat scheuen, ein Beet von antisemitischen Giftblüten. Die antisemitischen Wühler werden sich aber verrechnet haben, Deutschland ist, durch den Weltkrieg aufgerüttelt, durch Rot und Gefahr geeint und veredelt, auf dem Wege, nicht nur seine barbarischen Gegner, sondern auch die antisemitische Seuche zu überwinden. Das deutsche Schwert, das unser Kaiser nur widerwillig aus der Scheide zog, wird