Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 9 (September 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-09-01
- Page
- 352 (sequence 3)
- Language
- German
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352 Im deutschen Reich. russische Herrschaft gezwungen, einen Mord an dem allverehrten österreichischen Thronfolger anzustiften, um das Auge der Kulturwelt von der russischen Mißwirtschaft abzulenken! Glaubensgenossen! Ihr, die ihr schon so viel von eurem fluchtartig verlassenen ,,Vaterland" gelitten habt, bedenket den heiligen Kampf, den das deutsche und österreichische Volk jetzt führen! Es ist Pflicht eines jeden hier ansässigen russischen Juden, sich nach Kräften für die Gastfreundschaft, die er hier genießt, zu revanchieren! Sammelt für das Rote Kreuz!" Eine ähnliche von rühmenswerter Dankbarkeit zeugende Anregung ging von dem russischen ZigareLLenfabrikanten Flatter aus; diese lautete: „Die russisch-jüdischen Bewohner Dresdens werden hierdurch erinnert, daß sie in D r e s d e n, als einer der schönsten Städte Deutschlands, Gastfreundschaft, Erwerb und eine zweite Heimat gefunden haben. Sie sollten sich nunmehr auch zu Opfern zur Linderung der Kriegsnot, in die ihre Beschützer geraten sind, bereit finden. Deutschland schützte unser Leben und Vermögen, es gab uns Erwerbsmöglichkeit! Ich richte an alle russischen Juden Dresdens hiermit die Aufforderung, Spenden für unsere tapferen und treuen Verteidiger zu sam^ meln. Rieder mit Rußland! Es lebe Deutschland!" Wenn dieses überströmende Dankgefühl russischer Juden im scheinbaren Widerspruch mit den Begriffen steht, die deutsche Juden von der Vaterlandsliebe haben, muß man sich vergegenwärtigen, daß diese Juden erst in Deutschland eine menschenwürdige Behandlung fanden. Sie können nur mit dem tiefsten Widerwillen an das zurückdenken, was das Moskowitertum über sie verhängte, das nicht nur ihnen, sondern auch vielen Nichtjuden die Heimat verleidete, die jetzt der Schicksalsstunde Rußlands gleichgültig entgegensetzen, in der hoffentlich eine unglaubliche Mißwirtschaft zusammenbrechen dürfte. Dabei darf nicht übersehen werden, daß das Verhalten des russischen Zaren während der Iudenmetzeleien zu der Annahme berechtigt hat, er habe die Pogrome als einen nützlichen Abrechnungsmodus der Russen mit den Juden betrachtet. Der kurz nach der Affäre von Kischinew (April 1903) von der Regierung als Gouverneur nach der Hauptstadt Vessarabiens gesandte Fürst Rrussow äußerte sich in seinen .Memoiren darüber wie folgt: „Bis dahin hatte den Ruf eines unentwegten Judenfeindes nur der Großfürst Sergej Alexandrowitsch, der Generalgouverneur von Moskau. Seit dem Jahre 1903 aber wurde es für alle Welt augenscheinlich, daß auch der Kaiser, wenn nicht im Handeln, so doch im Fühlen und Denken ein Feind der Juden sei.