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Im deutschen Reich · 1914-09-01 · Heft 9 (September 1914) · p. 351

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 9 (September 1914)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1914-09-01
Page
351 (sequence 2)
Language
German
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Anrschun. 351 die deutschen Juden um die deutschen Fahnen, auf denen sie die Inschrift: „Gott, unser Panier" zu lesen glauben, aber auch freudig, da der kaiserliche Führer erklärte, keine Parteiungen, keine Konfessionen, sondern nur noch Brüder zu kennen. Die deutschen Juden stehen nun Schulter an Schulter, in Reih und Glied mit ihren christlichen Kameraden, ohne daß man nach Abstammung und Bekenntnis fragt. Treue dem Kaiser und dem BaLerlcmde haben sie geschworen, und sie werden sie mit ihrem Herzblute so besiegeln, wie sie unzählige Male ihre Glaubenstreue damit besiegelt haben. Als der Mobilmachungsbefehl erschien, vielfach schon vorher, hatten sie sich dazu gerüstet, und besonders wurde die Jugend der jüdischen Bevölkerung in Deutschland von vaterländischer Begeisterung so erfaßt, daß sie sich in großer Zahl freiwillig zur Fahne meldete. Im ganzen deutschen Reich stellten sich die Mitglieder der jüdischen studentischen Verbindungen (des Kartell-Convents „K. C." sowie des Kartells jüdischer Verbindungen) sowie der jüdischen Turnvereine sofort dem Vaterlande zur Verfügung. Der Verband jüdischer Jugend- Vereine Deutschlands richtet eine Aufforderung an seine Mitglieder, sich als Freiwillige zum Heeresdienst zu melden, oder, wenn sie zu jung find, zur Hilfe bei den Erntearbeiten. Aber nicht nur vor dem Feinde erfüllen die Juden mit großer Begeisterung ihre Pflicht dem deutschen VaLerlande gegenüber, andern Deutschen in bezug auf Vaterlandsliebe und Opferfreudigkeit. Gibt es doch fast keine jüdische Familie, die nicht Söhne oder andere teure Verwandte im Felde hat; aber nicht diesen allein, sondern allen Streitern für Deutschlands gerechte Sache gilt die allgemeine Fürsorge. Ein Beispiel, in wie hervorragender Zahl jüdische Familien in diesem Kriege Mitkämpfer stellen, liefert die Tatsache, daß der 'Rittergutsbesitzer C am in er, früher in Raddatz bei ReusteLtin, jetzt in Berlin, sechs Söhne im Felde hat, daß die jüdische Witwe Jacobus in Zempelburg sieben Söhne und einen Schwiegersohn ins Feld geschickt hat, die jüdische Witwe S. Guttmann in Szillen in Ostpreußen acht Söhne, die jüdische Witwe C. Fei« busch in Rogasen ebenfalls acht Söhne, und von der in Posen ansässigen Familie Baum sind sogar zehn Söhne in den Krieg gezogen. Zu Beihilfen für das ,,Rote Kreuz"' fühlen sich auch in Deutschland ansässige russische Juden verpflichtet. Auf Ersuchen eines in Dresden lebenden Russen jüdischen Glaubens veröffentlichte der amtliche „Dresdner Anzeiger" nachstehenden Aufruf: „Die Pogrome ä la Kischinew und die BluLmärchen ü la Kiew scheinen nicht mehr zu ziehen, und so sah sich die

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