Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 9 (September 1914)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1914-09-01
- Page
- 350 (sequence 1)
- Language
- German
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350 Im deutschen Reich. Umschau. „Nur die Zusammenfassung aller im deutschen Volke vorhandenen sittlichen und geistigen Kräfte hat Deutschland zur Einheit und Größe geführt. Diese Güter zu wahren, ist Pflicht jedes Patrioten. Niemand darf zurückgewiesen werden, der für das Vaterland Gut und Blutgeistigen und sittlichen Besitz einsetzt, mag er Jude oder Christ, arischer oder semitischer Abstammung sein. Höher als alles steht das Vaterland; das Heil des Vaterlandes aber beruht auf Gerechtigkeit!" — Mit solchen G rundsätzen ist vor 21 Jahren der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in die politische Arena eingetreten, nicht nur für die Verwirklichung der den deutschen Juden zugesicherten.Gleichberechtigung, sondern für das, was die Grundfesten jedes Staates bildet: Recht, Gerechtigkeit, Kulturfortschritt, friedliches Zusammenwirken aller Bürger für die Wohlfahrt der Gesamtheit. Dabei wußten die deutschen Juden sich, stets eins mit den Besten der Bevölkerung, mit denen sie so vieles verband: deutsche Gemütstiefe, deutsche Sprache, deutsche Sitte und Bildung und jene Heimatsliebe, die bei den deutschen Juden um so tiefer wurzelt, als sie stets unlöslich verbunden ist mit dem ihnen anerzogenen herzlichen Familiensinn. Wohin auch deutsche Juden verschlagen wurden, sprachen sie deutsch und fühlten sie deutsch jenes Heimweh nach dem Duft deutscher Linden und Tannen. Verbittert und vergrämt, verbannt aus der Heimat, zurück sich sehnend nach der Mutter, bekannte sich ein deutscher Jude bei aller Wehmut zu der Erkenntnis: „Deutschland hat ewigen Be st and;es ist ein wund e r b a r e s Land!" Ihn so begeisterter treten jetzt die deutschen Juden mit Gut und Blut für das in seinem Bestand durch zahlreiche Feinde bedrohte Vaterland ein. „Es kann der Beste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Gegen eine ganze Reihe solcher Nachbarn, die Jahre hindurch trotz der Beteuerungen ihrer Friedensliebe die Absicht hatten, das Deutsche Reich zu überfallen, gilt es zu kämpfen und zu siegen. „Das ist kein Kampf um die Güter der Erde, das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte": das deutsche Vaterland und den heimatlichen Herd! Unser Kaiser, der seinen Stolz darein setzte, ein Frieden skais er zu sein, zog notgedrungen das Schwert, und alle folgten freudig seinem Aufruf zum heiligen Krieg gegen Barbarei und Ungerechtigkeit. Furchtlos und treu scharten sich