Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 9 (September 1914)
- Article
- Der allgemeine Bettag
- Date
- 1914-09-01
- Page
- 347 (sequence 4)
- Language
- German
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Der ctücjcmctne Vettag. 347 rufet alle zur Versammlung. Sammelt die Bürgerschaft) heiligt die Gemeinde. Schmiedet eure Pflugscharen um zu Schwertern, eure Rebmesser zu Lanzen, der Schwache spreche, ich will ein Held sein!" Wie der Ruf des Propheten, sei der Ruf des Kaisers an sein ganzes Volk ergangen. Seinem Rufe folge Alldeutschland willig. Wie einst die Propheten den Frieden der Völker gewollt, so habe der Kaiser stets den Frieden zu sichern gesucht und doch, um wie Heiligkeit des Vaterlandes und des häuslichen Herdes zu wahren, wie der Prophet Joel schließlich rufen müssen: „Bereitet den heiligen Krieg!" Die niedrigsten Instinkte des Neides und der Gewinnsucht waren starker als die Forderungen der Vernunft und des Herzens. Das aber wird auf den ehernen Tafeln der Geschichte eingegraben werden, daß für Rußland, das der menschlichen Kultur so tiefe Wunden geschlagen und unsere Glaubensbrüder in Kischinew und anderen Städten russischer Barbarerei hingemordet hat, Frankreich und England als Helfer gegen Deutschland auftraten. An Mahnungen zum begeisterten Kampfe gegen diese Streiter, die sich mit den zarischen Henkersknechten verbunden haben, knüpfte der Prediger die Bemerkung, daß unser Kaiser dem ganzen Volk sein Herz darbot und den Volksvertretern ohneAnterschied der Parteten und desGlaubens seine Hand reichte, so daß sie den Schlag seines Herzens hören konnten. Ihm nachahmend, sollen wir nun allen Hader vergessen, ein einiges Volk von Brüdern sein, jederein guter Jude und einguterDeutscher, stets bereit, zu helfen, zu retten, zu stärken und zu trösten. Dann werde die prophetische Verheißung sich erfüllen: „Es wird wie der Morgen dein Licht änbrechen und deine Heilung schnell gedeihen. Vor dir her zieht deine Gerechtigkeit, und die Herrlichkeit Gottes beschließt deinen Zug." Die vorstehenden Schilderungen der in den Berliner 'Synagogen am 3. August abgehaltenen Feiern haben wir in derHauptsache den weit ausführlicherenBerichten der,,Allgemeinen Zeitung des Judentums" entnommen, durch deren vollständige Veröffentlichung die Schristleitung sich ein Verdienst erworben hat. Durch ihre weitere Verbreitung glauben wir zur Erfüllung ihres Wunsches beizutragen, daß diese Berichte ein kulturgeschichtliches Denkmal der einmütigen Gesinnung und edelsten Begeisterung sein und bleiben werden. Wir ergänzen diese Berichte durch folgenden Auszug aus der Predigt desRabbiners Dr. Munk, gehalten in der Israel. Synagogen gemein de Adaß Iisroel zu Berlin: „Nicht der Klage über das schwere Verhängnis, das über die Allgemeinheit hereingebrochen ist, nur der Aufrichtung dürfe diese Stunde geweiht sein. Im Sinne der Neberlieserung aber biete die göttliche Schicksalswaltung nur einer einzigen