Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 9 (September 1914)
- Article
- Der allgemeine Bettag
- Date
- 1914-09-01
- Page
- 348 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316841-2316849-2349099--24977-2349141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
348 IM deutsc^n Reich. Art der Aufrichtung Raum, derjenigen, die sich gründe auf Selbstprüfung und Selbstveredlung. Nur durch die Pforte der Selbsterkenntnis gelange das Bittgebet zum göttlichen Throne. Mas des Kaisers sei, habe der Kaiser vollbracht. Gleich dem Erzvater Jakob sei er in den Krieg gezogen, indem er seine Heere wohlausgerüstet habe, die Hand zum letzten Male dargereicht habe mit Friedensgruß, indem er nunmehr sein Volk zum Gebet berufe. Ans er sei es, durch ernste Einkehr, durch sittliche Verjüngung, der göttlichen Gnade, dem Himmelsgeschenk des Sieges, den Weg zu bahnen. Dann wird das Vaterland die Saat tapferer Pflichterfüllung mit Jubel ernten." Auch die von verschiedenen jüdischen Religionsvereinen in Berlin veranstalteten Bettagsfeierlichkeitenwaren sämtlich von dem Geiste echter Vaterlandsliebe und von jener mutiger: Gesinnung durchweht, die inbrünstiges Gottvertrauen und das Bewußtsein einer gerechten Sache verleiht. - Nicht nur durch das Wort, sondern auch durch die Schrift haben die Rabbiner im ganzen Deutschen Reiche bekundet, daß ihnen die Verteidigung des Vaterlandes eine heilige Sache ist, und daß siein ihren Gemeinden und darüber hinaus zu begeisterter Teilnahme an diesem Kampfe aneifern wollen. In einem von dem Bezirksrabbiner vr. Beermann in Insterburg an die jüdischen Mannschaften in seinem Bezirk gerichteten Rundschreiben, das in der Insterburger Garnison durch das Generalkommando zur Verteilung gelangte, wird gesagt: „Kameraden, Brüder! Me war das Schwert für eine gerechtere Sache gezogen. Anser Kaiser hat in 25 Fahren mit Aufbietung all seiner Geisteskraft und Willensmacht den Frieden gehalten. Doch die Neider haben ihn freventlich gestört. Rußland, das auch eure Glaubensbrüder so unmenschlich behandelte, bedroht Deutschlands Grenzen, Rußland, das Serbiens Mordbuben gegen unsern Bundesgenossen Oesterreich gehetzt hat. Die Treue gegen das befreundete Oesterreich, der Schutz deutscher Gesinnung und Gesittung gegen russische Roheit und Anbildung macht den Krieg zu einem heiligen. Wir stehen auf Gottes Seite, darum wird Gott auf unserer Seite stehen! So zieht denn getrost in die Schlacht! Zeigt euch eures deutschen Vaterlandes würdig. Bewähret auch darin den freudigen Stolz auf euren israelitischen Glauben, daß ihr Wunder der Tapferkeit Lut/ als echte Enkel der Makkabäer, deren kleine Schar durch die Kraft der Begeisterung die Aebermacht der Feinde schlug." Wie aus Schneidemühl gemeldet wurde, ist der dortige Rabbiner vr. Nobel anläßlich des Feldgottesdienstes des 149. Infanterieregiments vom Generalkommando mit einer Ansprache an die jüdischen Mannschaften beauftragt worden, die