Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 9 (September 1914)
- Article
- Der allgemeine Bettag
- Date
- 1914-09-01
- Page
- 345 (sequence 2)
- Language
- German
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Der aKg«rofeme Vettag. 345 Der Last der Verantwortung für den von ihnen heimtückisch und freventlich angefachten Weltbrand zusammenbrechen werden. Die Predigt schloß mit einem Geber um den göttlichen Segen für Kaiser und Reich, für den Sieg der deutschen Waffen und die- Erringung eines dauernden, ehrenvollen Friedens. Der Hymne „Heil dir im Siegerkranz" folgte das von der gesamten Gemeinde impulsiv angestimmte Lied „Deutschland, Deutschland über alles." In der Synagoge Linden st raße predigte Rabbiner Dr. Rosenzweig, darauf hinweisend, daß? in dieser ernsten Stunde die allgemeine Stimmung an das Wort des Propheten Jona erinnere: ,,Da meine Seele in mir zaget, denke ich an dich, o Gott, und es dringt zu dir mein Gebet aus deinem heiligen Tempel!" Was die Deutschen in schwerem Kampf, errungen, wolle der Haß der Gegner in Frage stellen« Jetzt sei eine Stunde der Einkehr vor dem Willen des Allmächtigen. Zitternd ob der Not des Vaterlandes, wollen wir mit ganzer Kraft und ganzem Empfinden deutsche Juden bleiben und Deutsche sein. Dem gerechten' Gott aber trauen wir unser gekränktes Recht an, ihm trauen wir unfern Kaiser an, unser Vaterland und die Männer, die unter dem Schutz des Gottes der Gerechtigkeit für uns kämpfen. Der Priestersegen bildete den Schluß der Feier. Da Tausende in dem schon dichtgefüllten Gotteshause keinen Platz finden konnten, mußte diese Feier bald nachher wiederholt werden. Dasselbe war in der Synagoge F a s a n e n st r a ß e der Fall, in der der Psalm 130 vorgetragen wurde und dann Rabbiner vr. Baeck über Psalm 94, 15 sprach. Er gab der Aeberzeugung Ausdruck, daß dieser Krieg, der über die Kultur Europas entscheide und von allen Gliedern des deutschen Volkes im Bewußtsein des Rechtes einmütig geführt werde, zum Siege führen müsse. In gehobener Stimmung stimmten nach den beiden Gottesdiensten dichte Scharen von Besuchern patriotische Lieder an. Auch die Feier in der Synagoge Lützowstraße mußte wiederholt werden, da die Räume des Gotteshauses für die vor diesem Erschienenen nicht ausreichten. Der Eingang der von Rabbiner vr. Weiße gehaltenen Predigt bot einen Vergleich des Verhaltens der Feinde des Deutschen Reiches mit den im Psalm 120 geschilderten Treiben der Gegner. Die weiteren Ausführungen behandelten die auch für die Jetztzeit bedeutsame Deutor. 20,1—5 enthaltene Ansprache des Priesters an das Volk Israel beim Ausbruch eines Krieges. In der gleichfalls überfüllten Synagoge Rykestraße verwies Rabbiner Dr. Stier in seiner Predigt auf die Morte des Propheten, wonach Volk gegen