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Im deutschen Reich · 1914-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1914) · p. 316

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1914)
Article
Assimilation
Date
1914-07-01
Page
316 (sequence 8)
Language
German
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316 Im deutschen Reich. auch immer die Schuld daran trug, die Tatsachen waren nicht wegzuleugnen. Die 'Kraft der Religion war gebrochen, kulturell war man assimiliert, aber das Gemeinschaftsbewußtsein bestand dank der Hilfe des Antisemitismus fort, und die Massen wurden so oft an ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft von außen her erinnert, daß viele schließlich den Zusammenhang trotz des Fehlens der religiösen Grundlage auch innerlich zu empfinden glaubten. Da sie nun keine Sonderkultur hatten, sich auch auf die vorhandene pseudojüdische Kultur des Ostens nicht stützen konnten und mochten, gab es nur zwei Wege. Der erste war klar und theoretisch einfach, man mußte eine jüdische Kultur schaffen! Diesen Weg gingen mit anerkennenswertem Eifer und Mut einige Idealisten. Sie begannen das zu schaffen, was wir als hebräische Kultur kennen. Diese Reubildung konnte und kann aber den Konflikt nicht lösen. Sie ist zunächst hebräisch, aber nicht jüdisch im eigentlichen Sinne, nicht religiös, dazu ein Gebilde junger Stürmer und Aufklärer, mit viel Theorie belastet, aber ohne praktischen Blick für reale Lebensforderungen, gewiß sehr interessant, unbestrittenermaßen getragen von nicht unbedeutenden Geistern, aber nichts, was in seiner Künstelei und seinem unjüdischen Wesen, seiner allzu stgrken Berücksichtigung der Interessen der Intellektuellen den jüdischen Massen etwas sein konnte. And so verfiel man fast von selber auf ein anderes Auskunftsmittel: man versuchte, das westeuropäische Judentum in eine Sonderstellung hineinzuLreiben, Scheidewände auszurichten zwischen ihm und der Umgebung. War es unmöglich, eine Kulturverschiedenheit zu erzielen, so sollte es wenigstens eine Kultur Lrennung sein, wobei ganz gewiß der Gedanke im Hintergründe lauerte, daß die Trennung allmählich Anlaß einer Eigenentwicklung und damit einer Verschiedenheit, einer neuen Kultur werden würde. Man versuchte, die jüdischen Massen kulturell zu einer festen Einheit zu verbinden, welche zwar der Amgebung nicht wesensfremd sein konnte, wohl aber ohne jede sichtbare Verbindung mit ihr. Diesen ersehnten Zustand vollkommener Scheidung betrachtete man als den gegebenen und natürlichen, und auf ihn wandte man nun den Begriff der Assimilation an: er wurde der Maßstab) von dem aus beurteilt wurde, was Assimilation und wer ein Assimilant sei! Die antisemitischen Bestrebungen der Zeit, welche den Juden aus dem Kulturleben langsam herauszudrängen versuchen, sind nicht nur die geistigen Urheber dieser jüdischen Bewegung, sondern sie geben ihr auch immer wieder neue Impulse. Man braucht nur an die „Wandervogelfrage" zu denken, um zu

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