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Im deutschen Reich · 1914-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1914) · p. 311

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1914)
Article
Assimilation
Date
1914-07-01
Page
311 (sequence 3)
Language
German
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Slfftmilatton.: 311 gleiterscheinüngen, daß die Möglichkeit des Widerstandes genauer geprüft) daß zwischen der Art des ausgegebenen und angenommenen Gutes verglichen wird. And der Höhepunkt wird erreicht, wenn die Eigentümlichkeiten der sich assimilierenden Gemeinschaft nicht einheitlich als kostbare Eigenwerte behandelt werden, sondern wenn man bei ihnen zu scheiden beginnt zwischen sittlich Wertvollem, das aus höheren moralischen Gründen erhalten werden muß, und sittlich gleichgültigen Dingen, bei denen es sich, nicht verlohnt, die Assimilation zu hemmen. Ohne daß es dabei zu einer bewußten Feststellung dieser Theorien gekommen wäre, hat das Judentum seit sehr früher Zeit, seit dem Verluste seiner nationalen Selbständigkeit) sich in der Lage einer solchen Minorität befunden und demgemäß sich entwickelt. Früh bewußt, daß assimilierende Bestrebungen ihm die Auflösung bedeuteten, hat es bald seine Eigenart klar und scharf herausgearbeitet, und das ganze talmudische Judentum ist im letzten Grunde weiter nichts als ein großzügiger und glänzend gelungener Versuch, die charakteristische Eigenart der Juden, nämlich ihre Religion, vor der Assimilation und der Auflösung zu schützen. Die jüdische Religion hat den Antergang des Tempels überdauert, und als an das Judentum die Frage herantrat, was für die Zukunft des Judentums wesentlich war, hat der kritische Sinn instinktiv erkannt, daß von anderen Kulturwerten nichts der Erhaltung wert sein konnte. Sie sind demgemäß auch alle verkümmert oder verschwunden, und wo in späterer Zeit das Judentum im Verlaufe seiner eigenartigen Geschichte solche Kulturwerte notwendig wieder schaffen mußte, waren sie immer Produkte der jüdischen Religion und der Amgebung. Es trat also in allen Dingen außer der Religion Assimilation ein, die neuen Werte waren fremder Herkunft, wenn auch vielfach von der Religion beeinflußt. Letzteres war freilich durchaus nicht immer der Fall; denn es gab ja Lebensverhältnisse und Gebiete, welche trotz des unendlich weiten Bereichs der jüdischen Religion nichts mit ihr zu tun hatten. An dieser Assimilation in allen nichtreligiösen Dingen nahm kein Mensch Anstoß; es fiel keinem ein, hemmend wirken zu wollen, weil man wußte, daß. das Judentum außer der Religion keine ihm eigentümlichen Kulturwerte besaß, von deren Erhaltung man irgendeinen Vorteil hatte, deren Aufgeben schädlich oder gar auflösend hätte wirken können. Hemmungen dieser Assimilation erfolgten gewiß von andersgläubiger Seite. Man wollte sie hindern, um den jüdischen Wettbewerb im geistigen und gewerblichen Leben auszuschalten. Aber selbst wo dies geschah, ist die Kulturassimilation eine vollständige geworden. Das Kapitel der Iudensprachen, um ein Beispiel herauszugreifen, ist ein lebendiges Zeugnis für die Assimilationstriebe und ihre Ergebnisse.

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