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Im deutschen Reich · 1914-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1914) · p. 300

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1914)
Article
Rückblicke
Date
1914-07-01
Page
300 (sequence 12)
Language
German
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300 Im deutschen Reich. „es verletzt mich, wenn in Schriften unserer Parteibeamten Deutschland nur als Wohnland bezeichnet wird. Deutschland ist mein Vaterland, meine Heimat, das Land meiner Sehnsüchte, das Land meiner Gräber, das Land meiner Kämpfe und meiner Ziele. Wenn ich aus der Fremde nach Hause komme, so komme ich heim. Ich habe jüdisches Stammesbewußtsein, deutsches Kulturbewußtsein, märkisches Heimatbewußtsein. Ich liebe die Alpen außerordentlich und gehe immer wieder hin; ganz zu Hause bin ich aber nur im Kiefernwald/" Traurig genug ist es, daß diese Ausführungen, die im großen und ganzen doch selbstverständlich sein sollten, beim Delegiertentag nach dem Berichte der „Jüdischen Rundschau"" nicht einmal einen bescheidenen Beifall ausgelöst haben, während Blumenfeld mit den radikalsten Ausführungen stürmischen Beifall erntete. Gewiß ist die Bewegung nicht so vrnst zu nehmen. Denn wenn man von den vorhandenen 9800 Schekelzahlern die sehr zahlreichen Ausländer, welche immer mehr die Ortsgruppen beherrschen und die das Gros der Bewegung ausmachen, abzieht, ferner diejenigen berücksichtigt, die aus dem Boden Franz Oppenheimers stehen, so ist die Zahl der reinen aus Deutschland gebürtigen Nationalisten nicht sehr groß. Immerhin aber läßt der fortgesetzte Versuch, die jüdische Jugend mit nationalistischen Ideen zu durchdringen, die Pflicht aller gut jüdisch empfindenden Männer, aufs neue deutlich erscheinen, diesem verhängnisvollen Treiben mit allen Machtmitteln entgegenzutreten. Im Kampf gegen den jüdischen Chauvinismus und Nationalismus werden ebensowenig wie im Kampfe gegen den deutschen Chauvinismus vom Centralverein Kompromisse geschlossen werden. Wenn Herr Justizrat Or. Bodenheimer-Cöln auf dem Delegiertentag das alte Märchen wiederholte, der Centralverein sei chauvinistisch deutsch, so brauchen wir ihn nur auf die Verhandlungen, welche unserer Resolution vorausgingen, hinzuweisen. Der Centralverein ist deutsch, er ist in der Wahrung der Ehre, des Ansehens und der Rechte der Juden im besten Sinne des Wortes jüdisch, aber Chauvinismus kennt er nicht. Wenn irgendeine Organisation in Chauvinismus jeglicher Art ein Unglück sieht, so ist es gerade der Centralverein. Und nun noch eine Bemerkung, die durch das Schlußwort des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung, Or. Hantke, veranlaßt ist: „'Unsere jüdischen Gegner fahren in den ihnen zur Verfügung stehenden Preßorganen fort, unsere vaterländische Gesinnung zu verdächtigen. Demgegenüber mag von dieser Seite aus nochmals gesagt werden, was wir schon auf unserer Tagung vom 1. Mai 1913 als Antwort auf die Resolution des Zentralvereins erklärt haben: Unsere nationaljüdische Ge-

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