Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1914)
- Article
- Rückblicke
- Date
- 1914-07-01
- Page
- 299 (sequence 11)
- Language
- German
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StüdSblttE-Ci 299 Aeußerungen nationaljüdischer Redner usw. enthalten gewesen sind und daß gerade Juden fortgesetzt ihren Gegnern die Argumente gegeben haben, mußte naturgemäß entern Teil der Nationaljuden sehr unangenehm sein, insbesondere denen, die sich im Untergrund ihrer Seele noch warmes deutsches Empfinden bewahrt haben. Dieser Umstand mag wohl dahin geführt haben,, daß bei der fortwährenden Betonung gewisser nationaljüdischer Kreise, sie seien „Fremde", sie seien „nicht ein Bestandteil des deutschen Volkes" und „ihr Zukunftshoffen sei ein anderes als das des deutschen Volkes", ein gewisses Unbehagen ausgelöst worden ist, das sich dann auch auf dem vor einigen Tagen stattgehabten zionistischen Delegiertentag in Leipzig zu umfangreichen Ausführungen verdichtet hat. Dr. Adolf Fried mann beleuchtete kritisch die Ueberspannung des Nationalismus, worauf ihm Herr Blumenseld in einer großen Rede erklärte, „die Zionisten müßten in intensiviertem Wollen nationalistisch sein, weil ihr nationales (Lein in Gefahr sei" ^nd weiter ausführte: „Mit verstärkter Intensität gilt es, alles wegzuräumen, wäI uns daran hindert, schon jetzt das ruhige Gefühl des Eingebettetsein im Strom des eigenen nationalen Lebens zu besitzen, und uns jetzt noch zum betonten Nationalismus zwingt." Nach Df. Friedmann hat Dr. Franz Oppenheimer gegen die Unrichtigkeit und Gefährlichkeit der jüdisch-nationalen Propaganda Protest erhoben. Dr. Franz Oppenheimer sprach nüchtern, sachlich und für jeden?, der sehen will, überzeugend. Man hätte meinen sollen, daß der Delegiertentag sich einstimmig seinen Anschauungen anschließen würde. Denn er wies nach, daß man sehr wohl Zionist sein könne, ohne dem extremen Nationalismus zu huldigen, aber beide, sowohl Friedmann wie auch Oppenheimer, fielen mit ihren Ausführungen gründlich durch. Sie bewiesen aber, wie recht der Centralverein hatte, wenn er in seiner Resolution zum Ausdruck brachte, es gebe? zwar eine Reihe von Zionisten, die sehr wohl im Centralverein arbeitet: könnten, daß aber die extrem-nationalistischen Elemente: durch ihr Denken und ihre Stellungnahme zn den deutschen Problemen die Arbeit im Centralverein einfach nicht mitleisten können. Wenn man in den letzten Monaten gelesen hat, wie die vollkommen falsche und geradezu unsinnige Aeußerung eines Moritz Goldstein, „die deutschen Juden beherrschten die deutsche Literatur", die, weit entfernt, jemals eine energische Zurückweisung seitens der jüdisch-nationalen Organe zu finden, von diesen vielmehr noch gebilligt worden ist, zur Verleumdung der gesamten Judenheit verwendet wurde, so versteht man, daß Männer wie Dr. Friedmann und- Dr. Franz Oppenheimer gegen den verstiegenen Nationalismus, in dem wir nicht nur ein Unglück für die deutschen Juden, sondern auch eine gefährliche innere Unwahrheit erblicken, energisch Protest erheben. Und es muß weit gekommen sein, wenn Oppenheimer — allerdings! an dieser Stelle ohne jeden Erfolg — sagen konnte: