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Im deutschen Reich · 1914-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1914) · p. 294

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
20 (1914)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1914)
Article
Rückblicke
Date
1914-07-01
Page
294 (sequence 6)
Language
German
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294 Fm deutschen Reich, Mart wurde. Und diese Bewegung hat mit einem gewissen Erfolg versucht, in den Wandervogel-Vereinigungen Zutritt zu gewinnen. Der sattsam bekannte antisemitische „Hammer" wurde von Gymnasiasten verbreitet, die bekannten Flugblätter des Herrn Fritsch zirkulierten, und so versuchte man die deutsche Jugend durch die hetzerischen Darstellungen verbohrter Agitatoren gegen die Juden einzunehmen. Daß eine. Darstellung wie die des Herrn Neuendorff, im Jahre 1914, selbst als „Eingesandt" in einem ernsthaften Blatt abgedruckt wird, ist ein Zeichen der Zeit. Noch vor 30 Jahren hätte der Herausgeber einer auf sich haltenden Zeitschrift sich geweigert, solchen unklaren und verschwommenen Erörterungen auch nur eine Zeile Raum in seinem Blatte zu gewähren. Wenn das heute anders geworden ist, so findet dies seine Ursache in den oben erörterten Umstünden und in der Sorglosigkeit, mit der weiteste Kreise des deutschen Volkes, die den wachsenden Chauvinismus jeden Tag mehr kommen und steigen sahen, die Agitationskraft vieler durch hohe Persönlichkeiten geförderter Schriftsteller und die reichen Geldmittel der Gesamtbewegung unterschätzt haben. Dem deutschen Volke wird diese völkische Bewegung nichts nützen. Denn sie ist unwahr und auf Sand gebaut. Daß sie sich aber in der Vertretung ihrer Ideen grundsätzlich mit der wissenschaftlichen Wahrheit in Widerspruch setzt, ist auch für ihre Vertreter keinerlei Ehre. An dieser inneren Unwahrhaftigkeit jedoch wird schließlich die ganze Richtung scheitern, nicht ohne erst gerade dem jüdischen Bestandteil des. deutschen Volkes schweren Schaden zugefügt zu haben. II. Und NUN zu den Wirkungen der Wandervogel-Resolution. Nationaljuden einerseits und Judengegner andrerseits begrüßten sie als eine angebliche Klärung der Verhältnisse und legten in die Resolution, teilweise unter völliger Verkennung des wahren Sachverhalts, Momente hinein, die in' ihr nicht gelegen haben. Zunächst ist es völlig unrichtig, daß vom Bundestag die Erklärung der Bundesleitung etwa angenommen wäre Und daß der Bundestag sie infolgedessen zu der seinigen gemacht hätte. In Wirklichkeit ist nur darüber ab g estimmt Word an, ob in eine Erörterung d e r Erklärung eingetreten werden soll. Diese Erörterung wurde abgelehnL. Dann aber wird der Frankfurter Aeußerung untergelegt, sie hätte direkt den Rassenhaß gepredigt und die Juden als solche beschimpft. Solches zu behaupten, ist bet dem ja früher von uns veröffentlichten Wortlaut der Erklärung lächerlich. Man kann die Unwahrhaftigkeit der gesamten Aeußerung so scharf geißeln, wie wir es getan haben. Trotzdem läßt sich doch

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